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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 462 -
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462 Johannes Holeschofsky Und dies unabhängig von der Tatsache, dass Hantschs Sichtweise, die katholische Kirche sei „unverschuldet“ zum Sündenbock gemacht worden, wohl damals ebenso wenig ungeteilte Zustimmung fand, wie sie es heute tut. Literarisch mehr als „populärhistorisch“, teilweise von barocker Sprachpracht, in großen Zügen zeichnend, klar Partei ergreifend und dennoch abwägend analysierend, ist dieses Buch ein durchaus originelles Frühwerk des jungen Histo- rikers, in vielem bereits ein „typischer Hantsch“. Srbik lobte es sehr, vor allem deshalb, weil es sich einer stiefmütterlich behandelten Epoche widmet69. Stiefmütterlich, das bedeutete aus Sicht des konservativen Srbik : vorwiegend durch linke, sozialistische und marxistische Studien erschlossen, eine konservative Entgegnung täte not. Und tatsächlich malte Hantsch in einem Seitenstrang seiner Gesamterzählung, in seiner Beschreibung der hussitischen Ein- flüsse auf die bäuerlichen Bewegungen vor 1525, ein erschreckendes Menetekel einer aus dem slawischen Osten kommenden revolutionären Ideologie, die auch im Reich an Ein- fluss gewann : Die Parallelen zur bolschewistischen „Bedrohung“ der 1920er-Jahre sind hier nicht nur zwischen den Zeilen angedeutet, sie werden ausdrücklich hergestellt70. In diesem Punkt trafen sich Hantsch und sein berühmter Lehrer. 1926 erschien „Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock“, die kunsthistorische Arbeit über den Baumeister des Stiftes Melk, eine Auftragsarbeit des Stiftes, eine Apotheose des österreichischen Barockkünstlers und gleichzeitig eine Vertei- digung von dessen künstlerischer Originalität gegen Attacken namhafter österreichischer Kunsthistoriker71. Der in der Habilitationskommission von Hantsch tätige Kunsthisto- riker Julius Schlosser würdigte die ausgezeichnete historisch-philologische Grundlage der Arbeit, die stilkritisch freilich manches zu bemängeln gebe. Insgesamt sei sie jedoch als wichtiges Werk anzuerkennen72. 1929 erschien Hantschs Monografie über den Reichsvizekanzler Reichsfreiherr (seit 1701 Reichsgraf) Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim (1674–1746), ein im Ver- gleich zum Buch über die Bauernkriege streng wissenschaftliches, den erforschten Quellen folgendes Werk. Schönborn wurde von seinem Oheim Lothar Franz, dem Erzbischof und Kurfürsten von Mainz und Reichserzkanzler, gegen den Willen des Kaisers auf den Posten des Reichsvizekanzlers am Wiener Hof gebracht und geriet früh in das Spannungsfeld zwischen den Interessen seines eigenen Hauses und denen des Monarchen, während er das höfische Prestige seiner eigenen Position gegenüber den rein österreichischen Behörden zu wahren hatte. Tölg behauptete, Hantsch habe mit dieser Arbeit – wenngleich vorüber- 69 UAW, PA Hugo Hantsch, Referat Srbiks zur Habilitation Hantsch, 07.1929. 70 Hantsch, Bauernkrieg (wie Anm. 47) 84. 71 Hugo Hantsch, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock (Wien 1926). 72 UAW, PA Hugo Hantsch, Protokoll der Besprechung von Hantschs Werken durch die Habilitationskommis- sion 10.07.1929.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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