Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 464 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 464 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Bild der Seite - 464 -

Bild der Seite - 464 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Text der Seite - 464 -

464 Johannes Holeschofsky Histo riografie81. Niemals, so Schönborn, könnte die „teutsche Libertät“ gegen den Kaiser ausgespielt werden, genauso wenig wie die Glieder eines Körpers gegen das Haupt, „die Strahlen gegen die Sonne“82. Niemals aber dürfte der Kaiser seinerseits danach trach- ten, legibus solutus, abgelöst von der geschriebenen „Reichsverfassung“ von der Golde- nen Bulle bis zum Westfälischen Frieden, zu agieren, den föderalistischen Rechtsstaat, denn ein solcher war und blieb für Schönborn wie für Hantsch das Reich, in einen straff zentralistisch aufgebauten Machtstaat zu transformieren – selbst dann nicht, wenn dies die Position des Reiches im internationalen Mächtekonzert gestärkt hätte. Niemals hätte Schönborn, der protestantischerseits während der Reichskrise anlässlich des Regensburger Konventes von 1722, als längst vergessene Frontstellungen aus der Zeit des Dreißigjähri- gen Krieges die Reichsstände spalteten, als „Warmonger“ verschrien war, je daran gedacht, den deutschen Protestantismus etwa „mit anderen als geistigen Waffen anzugreifen“83. Die Möglichkeit einer Beugung des Reiches unter das habsburgische „Servitut“ war im beginnenden 18. Jahrhundert hypothetisch. Real aber war das Kalkül kaiserlicher Be- rater, dass sich Österreich auf Kosten der wehrlosen kleinen Reichsteile mit Preußen arrangierte, um einen mächtigen Bundesgenossen zu gewinnen ; real war erstmals das Aufkeimen des von der „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ später in seiner koope- rativen Form eines machtvollen deutsch-deutschen Mächtebündnisses stets gewürdigten österreichisch-preußischen Dualismus. Hantsch sah eine fünfte Kolonne Preußens sowie des internationalen Protestantismus am Wiener Hof ihre Wühlarbeit verrichten, einen teils bestochenen, jedenfalls aber egoistischen österreichischen Hofadel, der keinen Bezug mehr zu der Reichsidee als Idee einer universalen Rechtsordnung hatte84. Der „nur-öster- reichische Partikularismus“ des Wiener Hofes wurde also nicht zuletzt als Bahnbrecher des österreichisch-preußischen Konsenses getadelt ! Erbittert und vergeblich kämpfte Schön- born gegen die Politik Karls VI., die Pragmatische Sanktion durch einzelne Hausverträge zu sichern. Dieser seiner Meinung nach unnötige, freiwillige Rechtsverzicht bedeutete für den Reichsvizekanzler ein Eingeständnis kaiserlicher Schwäche. Aber genauso war die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion durch die Reichsstände, um die sich Karl VI. so emsig bemühte, für Schönborn vom reichsrechtlichen Standpunkt aus überflüssig : Der Reichsvizekanzler „leitete das Recht des Hauses, über die Nachfolge zu bestimmen, aus 81 Ebd. 265–280. 82 Ebd. 357. 83 Ebd. 361. 84 Ebd. 50–53, vgl. bereits Hantschs Sichtweise von Schönborns Vorgänger als Reichsvizekanzler, Dominik An- dreas Graf Kaunitz, ebd. 109f. Vgl. die Einschätzungen der „Verfechter des alten Systems“, der Aufrechter- haltung des habsburgisch-preußisch-protestantischen Bündnisses aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs, der partikularistischen Politik Johann Wenzel Wratislaw von Mitrowitz’, Georg Ludwig von Sinzendorfs, aber auch Prinz Eugens, ebd. 142–147.
zurück zum  Buch Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2"
Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Österreichische Historiker