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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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466 Johannes Holeschofsky aber dessen „ungenügende Kenntnis“ der osteuropäischen Literatur. Die Venia docendi wurde schließlich vom Professorenkollegium mit 48 Befürwortungen, 4 Enthaltungen und 1 Gegenstimme betreffend die persönliche Eignung, 46 Ja-Stimmen, 3 Enthaltungen und 2 Gegenstimmen bezüglich der fachlichen Eignung erteilt91. Als Mitglieder der Ha- bilitationskommission zeichneten der Referent Srbik sowie Hans Hirsch, Wilhelm Bauer, Alfred Francis Přibram, Gustav Turba, Uebersberger und der Kunsthistoriker Schlosser als Sachverständiger für die Arbeit über Prandtauer92 ; die Kommissionsmitglieder hatten Hantsch einstimmig vorgeschlagen93. V. Hantschs Interpretation der Reichsidee In den folgenden Jahren schien die Karriere des Privatdozenten Hantsch etwas zu stag- nieren. Er hielt Vorlesungen, unter anderem über das Zeitalter der Stuarts und Tudors, verweilte zwischenzeitlich zu Forschungen in England, versuchte vergeblich, Nachfolger Dengels in Innsbruck zu werden94. 1933 veröffentlichte er in der prominenten Reihe „Geschichte der führenden Völker“, herausgegeben von Heinrich Finke im katholischen Verlag Herder, die Darstellung „Ent- wicklung Österreich-Ungarns zur Großmacht“. An dieser Stelle soll an die in der Einlei- tung formulierte Fragestellung angeknüpft werden und Hantschs Buch mit dem ersten, 1935 erschienenen Band von Srbiks Opus „Deutsche Einheit“ kontrastiert werden, das Srbik selbst als sein Hauptwerk betrachtete. Hantsch rechtfertigte die habsburgischen Landerwerbungen im Westen, das spanische und burgundische Erbe also, damit, dass sie rechtlich einwandfrei geschehen seien. Habsburg habe damit notgedrungen den mittelal- terlichen Konflikt zwischen dem Reich und Frankreich übernehmen und sich aus Selbst- verteidigungsgründen gegen dessen nationale Expansionspolitik wenden müssen95. Srbik dagegen kritisierte, Maximilian I. habe durch die Übernahme des burgundischen Erbes erst den neuzeitlichen französisch-deutschen Konflikt heraufbeschworen und das übrige Reich in seinen eigensüchtigen Kampf hineingezerrt96. Die spanische Hausmachtspolitik der Habsburger habe dem Reich einen notwendigen „festen nationalen Kern“ verwehrt und so zur Zerklüftung Deutschlands beigetragen ; Srbik missbilligte in diesem Zusam- 91 UAW, Protokoll (wie Anm. 72). 92 Ebd. 93 Ebd. 94 Tölg, Ideologie (wie Anm. 1) 17. 95 Hugo Hantsch, Die Entwicklung Österreich-Ungarns zur Großmacht (Geschichte der führenden Völker 15, Freiburg i. Br. 1933) 26f. 96 Heinrich Ritter von Srbik, Deutsche Einheit 1 (München 1935) 39.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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