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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 475 -
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Seite - 475 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Hugo Hantsch (1895–1972) 475 die Habsburger wären also Profiteure eines frühen slawischen Prestigeerfolges gegen das Deutschtum gewesen138. Für Hantsch war der eigenwillige und selbstständige Nachfolger Herzog Albrechts II. nicht nur bereits darauf bedacht, den ungeliebten Oheim im Donau- raum zu beerben ; Rudolf IV. habe das Privilegium maius aufgrund einer nicht unberech- tigten Kompensationsbestrebung gefälscht, da die Habsburger von Rechts wegen unter die Kurfürsten hätten aufgenommen werden müssen139. In dieser Gegenüberstellung wird die Front Hantschs gegen fast die gesamte „crême de la crême“ der damaligen österrei- chischen Geschichtswissenschaft offenbar. Darüber hinaus zeigen sich auch in der der Ehrung der „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ Srbiks gewidmeten Sammlung zwei Spielarten des österreichischen Deutschnationalismus : die Brunners, der die Grundlagen habsburgischer Landesherrschaft angriff, ja beinahe ironisierte, und jene des amtierenden Direktors des IÖG Hirsch, der, ähnlich wie sein Weggefährte Srbik, ungleich vorsichtiger argumentierte. In einem Gutachten nahm die Philosophische Fakultät der Universität Graz 1938 knapp vor dem Anschluss zur geplanten Vergabe des Ordinariates an Hantsch Stellung und unterzog zu diesem Zwecke dessen „Österreichische Geschichte“ einer ausführlichen Kritik. Das Gutachten bemängelte, dass Hantschs Polemik gegen Erben und Steinacker in der Frage des Privilegium minus zu sehr durch Gegenwartsbedingungen bestimmt sei. Es kritisierte mehrmals die zu habsburgfreundliche Darstellung, etwa im Falle der spätmittel- alterlichen Schweizerkriege140. Zustimmend wurde aber Hantschs Satz zitiert : […] der politische Großraum des Süd- ostens konnte und durfte sich nur von der Donau her entwickeln […] er konnte sich nur innerhalb des Reiches ausbilden, wenn er der Größe und nicht der Erniedrigung des deutschen Volkes dienen sollte. Darin liegt die entscheidende Bedeutung der Eroberung Österreichs, der deutschen Alpenländer durch den deutschen König Rudolf von Habsburg141. Allerdings : Hier wird wieder die grundlegende Gemeinsamkeit sichtbar, die Hantsch doch mit den die habsburgische Landesherrschaft bejahenden deutschnationalen Historikern teilt. Die Er- oberung des Donauraumes durch ein „deutsches“ Herrschergeschlecht „vom Reiche aus“ kann aus anderer Perspektive sehr wohl als „Pangermanismus“ erscheinen, schließlich wäre ja etwa auch ein jagiellonisches Großreich vorstellbar gewesen. Dass aber anderer- seits Hantschs Haltung gerade wegen seiner sudetendeutschen Abkunft aus NS-Perspek- tive als besonderes Skandalon, ja geradewegs als „Verrat“ erscheinen musste, beweist eine 138 Ebd. 72f. 139 Hantsch, Geschichte (wie Anm. 119) 131. 140 ÖStA, AdR, Beilagen PA Hugo Hantsch, Zl. 2687/38, Gutachten der Philosophischen Fakultät Graz anläss- lich der Verleihung des Ordinariats an Hantsch vom 24.02.1938, verfasst von Ferdinand Bilger. 141 Ebd.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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