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478 Johannes Holeschofsky
heißt es bei Hantsch : „Metternich […] hielt sich für den Verfechter einer Weltordnung,
deren Grundsätze in dem ewigen Sittengesetz und in der unveränderlichen Ordnung der
Dinge verankert sind“, und dann weiter : „er geht von Ewigkeitswerten aus und besitzt
daher inmitten des Lärmens von Tagesmeinungen jene über den Dingen waltende innere
Ruhe, die alle Menschen zeigen, die ihren Weg von den ewigen Gesetzen geleitet wissen“.
An dieser Stelle zeigt sich eine starke Bewunderung für gerade jenen Metternich, von
dem Srbik nichts wissen wollte, einen Metternich, der danach trachtete, „das Gute“ für
die Völker zu erkennen und zu tun148. Eine solche Tat hielt aber der Platoniker Srbik
für menschenunmöglich. Es war hier eine Begeisterung Hantschs für jenes Gedankengut
erkennbar, das vor allem Metternichs „Chefideologe“ und „Chefpolitologe“ Friedrich von
Gentz verfochten hatte. Metternich habe nicht das Prinzip „gesellschaftlicher Erhaltung“
(Srbik), sondern das der kontinuierlichen Entwicklung verfolgt, da explosive und revolu-
tionäre Situationen vermieden werden müssten149.
IX. Die „Ostmarkmission“
Hantsch befürwortete den autoritären Kurs von Kanzler Engelbert Dollfuß, und so trägt
dessen nach 1945 entstandenes Porträt auch apologetische Züge150. Ob der Historiker
nun allerdings die diktatorische Staatsform als notwendiges Provisorium und das Bündnis
mit Mussolini und dem Heimwehr-Faschismus als unvermeidliches kleineres Übel sah,
ob er sich tatsächlich die weitgehende Umsetzung von sozial-harmonischen Botschaften
der christlichen Soziallehre durch den Staat in die Gesellschaft erhoffte, oder ob er primär
dem „Imitationsführerkult“ um den auf seine eigenen Anhänger charismatisch wirkenden
Dollfuß erlag, geht aus seiner späteren Reflexion nicht eindeutig hervor. Nun aber traten
vaterländische Positionen, die er auch in seiner Frühzeit schon vertrat, zusehends akzen-
tuierter ans öffentliche Licht. Der Auftakt zu Hantschs publizistischer, vereinspolitischer
und außeruniversitärer Tätigkeit unter dem Zeichen des Kruckenkreuzes war jedenfalls
eng mit seiner universitären Karriere verbunden.
Im Sommer 1933 hielt Hantsch am Katholikentag in Salzburg eine Reihe von Vorträ-
gen zur neuzeitlichen Geschichte Österreichs, die später unter dem Titel „Österreich. Eine
Deutung seiner Geschichte und Kultur“ in Buchform erschienen151. Grundgedanken und
148 Ebd. 330.
149 Ebd. 334.
150 Hugo Hantsch, Engelbert Dollfuß, in : Gestalter der Geschicke Österreichs, hg. v. dems. (Innsbruck
1962) 611–623.
151 Hugo Hantsch, Österreich. Eine Deutung seiner Geschichte und Kultur (Innsbruck 1934).
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien