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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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488 Johannes Holeschofsky gehen. Aufgrund dieser Argumentation erscheint es gerechtfertigt, Hantsch trotz seines Bekenntnisses zum deutschen Volkstum gemäß den Vorstellungen und Begrifflichkeiten der Zeit vor 1938 nicht als „Großdeutschen“, sondern als „Großösterreicher“ zu bewerten. Die Habsburgermonarchie wurde als eine Möglichkeit zur Überwindung des Nationalis- mus, die eine föderalistische Neuordnung Österreich-Ungarns einleiten hätte können, angesehen, basierend auf politischer Gleichberechtigung, aber unter Beibehaltung einer Art „Ehrenvorsitz“ der Deutschen, deren historisch zu betrachtende „Erzieherrolle“ und „Kulturmission“ in der frühen Neuzeit der Historiker wiederholt lobte. Den Bewohnern des „deutschen“ Österreichs schrieb er wegen der frühen Aufgabe der „Ostmark“, „Brücke und Bollwerk“ zu sein, ebenfalls eine besondere, „deutsche und europäische“ Mission zu ; gleichwohl war sein Fokus, was das Einnehmen einer besonderen „österreichischen Rolle“ betrifft, ganz stark auf die Habsburgerdynastie gerichtet. Hantsch lehnte einen ethnisch geschlossenen deutschen Nationalstaat unter Einbeziehung Österreichs ab, bekannte sich aber dennoch häufig zum „deutschen Volkstum“, in einer „überstaatlichen, geistig kul- turellen“ Sphäre. Oft fällt eine verblüffende Ähnlichkeit seines Vokabulars mit dem der Verfechter der „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ auf, etwa in der Verwendung von Begriffen wie „Gesamtdeutschtum“, „Reichsidee“ oder auch „Ostmark“, die aber in unter- schiedlichen, teils sogar entgegengesetzten interpretativen Kontexten verwendet wurden. Hantsch nahm offen gegen den Nationalsozialismus Stellung und wurde aufgrund seiner sudetendeutschen Herkunft vom „Austrofaschismus“ bzw. dem autoritären „Ständestaat“ gerade dort als Propagandist eingesetzt, wo es um die Gewinnung eines betont nationalen Publikums ging. Zusammenfassend kann Hantsch als legitimistischer, „föderalistischer“ Verfechter einer gegen den damaligen geschichtswissenschaftlichen Mainstream argumen- tierenden großösterreichischen Historiografie eingestuft werden, deren Konturen noch genauer zu erforschen und abzustecken wären.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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