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Ernst Klebel (1896–1961) 491
dig blieb, setzten aber sicherlich schon früher ein. Als Kärntner hatte er die Nachwehen
des Ersten Weltkrieges, die unter anderem den Zerfall der Österreichisch-Ungarischen
Monarchie mit sich brachten, an einem Brennpunkt erlebt. Das Königreich der Serben,
Kroaten und Slowenen beanspruchte große Teile Südostkärntens und versuchte dies 1918
und 1919 militärisch durchzusetzen4. In einer Volksabstimmung am 10. Oktober 1920,
die über den Verbleib des überwiegend von Slowenen bewohnten Südkärnten entscheiden
sollte, stimmten schließlich 59% für den Verbleib bei Österreich5. Klebel, der zu dieser
Zeit, wie oben erwähnt, in Graz und dann Wien studierte, wurde von Ludwig Hülgerth,
seit 1918 Landesbefehlshaber der Heimwehr von Kärnten, die Berechtigung zum Tragen des
Kärntner=Kreuzes für Tapferkeit zuerkannt6. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Klebel spätes-
tens durch diese Ereignisse im Sinn deutsch-nationalen Gedankenguts politisiert wurde7.
Durch die Neuordnung der politischen Landkarte nach 1918 hatte ganz Mitteleuropa
neue Grenzen bekommen, Österreich war von einer Großmacht zu einem Kleinstaat, der
(= PA EK) fol. 6–8 ; ebd. Personalbogen Ernst Klebel, Senat, S 304.610. Den Angaben ist, basierend auf einem
Lebenslauf Klebels aus dem UAR, Philosophisch-Theologische Hochschule, 186/2 Klebel, Folgendes hinzuzu-
fügen : Seit 1925 Mitarbeiter am historischen Atlas der Alpenländer für Niederösterreich, seit 1927 Mitarbei-
ter für den historischen Atlas für Ober- und Niederbayern, 1945 in der Gemeinde Altenmarkt bei Osterhofen/
Niederbayern Mitarbeiter beim Südost-Institut, 1948 Auftrag der Fortsetzung der Arbeiten am Historischen
Atlas von Bayern, seit 10.01.1951 parallel zur Leitung des Stadtarchivs in Regensburg zugleich Leitung der
Kreisbibliothek in Regensburg, siehe dazu OÖLA, NL Ignaz Zibermayr (= NL IZ), Schachtel 3, Brief Klebels
an Zibermayr, Regensburg 02.02.1951 : […] seit 10.1. habe ich zum Stadtarchiv die Leitung der Kreisbibliothek
dazu erhalten. Seit März 1950 Lehrauftrag für Geschichte des Mittelalters an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule Regensburg. Hinzuzufügen ist, dass Klebel am Historischen Atlas der Alpenländer der Wiener
Akademie der Wissenschaften (heute : ÖAW) mitarbeitete, siehe Ernst Klebel, Die Erforschung der Herr-
schaften und Gerichte der Alpenländer und ihre Bedeutung für die südostdeutsche Kolonisation, in : Deutsche
Hefte für Volks- und Kulturbodenforschung 1 (1930/31) 58.
4 Arnold Suppan, Jugoslawien und Österreich 1918–1938 (Veröff. des österreichischen Ost- und Südosteu-
ropa-Instituts 14, Wien/München 1996) 518–523.
5 Suppan, Jugoslawien (wie Anm. 4) 621–642.
6 Burkhard Klebel, NL EK : Legitimationskarte des Landesbefehlshabers in Kärnten vom 03.04.1920. Zu den
Geschehnissen in Kärnten siehe Claudia Fräss-Ehrfeld, Kärnten 1918–1920, in : Österreich. 90 Jahre
Republik, hg. v. Stefan Karner, Lorenz Mikoletzky (Innsbruck 2008) 193–202 ; zu Hülgerth siehe Ös-
terreichisches Personenlexikon, hg. v. Isabella Ackerl, Friedrich Weissensteiner (Wien 1992) 194, so-
wie Walter Wiltschegg, Die Heimwehr. Eine unwiderstehliche Volksbewegung ?, hg. v. Rudolf Neck und
Adam Wandruszka (Studien und Quellen zur österreichischen Zeitgeschichte 7, Wien 1985) 231–233.
7 Zur ideologischen Ausrichtung der österreichischen Historiker während der Zwischenkriegszeit im Hinblick
auf die Frage großdeutscher, kleindeutscher, oder gesamtdeutscher Ausrichtung siehe Herbert Dachs, Öster-
reichische Geschichtswissenschaft und Anschluß 1918–1930 (Wien/Salzburg 1974), bes. 1–90. Siehe auch
UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 6 : Ich bin in Kärnten aufgewachsen, habe schon als Volksschüler die
Tätigkeit slowenischer Hetzkapläne sowie die infolge weltanschaulicher Einheit grössere Festigkeit des slowenischen
Volkes kennen gelernt und bin in diesen nationalen Erkenntnissen durch den Abwehrkampf von 1919 und die
Volksabstimmung 1920 bestärkt worden.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien