Seite - 493 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Bild der Seite - 493 -
Text der Seite - 493 -
Ernst Klebel (1896–1961) 493
III.
Seine ersten akademischen Arbeiten legte Klebel bei seinem Doktorvater Josef Strzygow-
ski vor. Dieser leitete seit 1909 das I. Kunsthistorische Institut der Universität Wien und
wurde 1933 emeritiert14. Er wandte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt, deutlich erkenn-
bar an seinen Publikationen, ideologisch immer mehr dem Deutschnationalismus zu, der
schließlich in einem rassistischen Lobpreis des „Nordischen“ gipfelte, das deutliche Sym-
pathie für den Nationalsozialismus inkludierte. Was Klebels weitere kunsthistorische Ar-
beiten angeht, so werden diese heute als fachlich sehr gut beurteilt, auch wenn sie durch
Klosters Ettal, in : Zs. der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, KA 18 [1929] 614–618) hin. Siehe MGH,
NL Friedrich Bock, Korrespondenz vor 1950, J–L, Nr. 157, Postkarte Klebels an Bock, 21.02.1931 : Sehr
geehrter Herr Doktor ! Sie sind mir, wie ich glaube, kein ganz Fremder mehr, wenn ich Sie richtig mit dem Verfasser
des schönen und interessanten Aufsatzes über Ettal gleichsetze. Eine Burg‚ Voernenstayn’ ist mir in Niederösterreich
unbekannt, ich glaube und habe hierüber auch noch mit Dr. E. Wascher, der über Oberösterreich arbeitet, gespro-
chen, der mir zustimmt, dass es sich um einen Schreibfehler für‚Wernenstayn’, das ist Wernstein bei Passau, handeln
dürfte. Aus Ihrer Liste sehe ich, dass Sie Spilberg und Drozze auch nicht genau identifizieren, ersteres liegt nördlich
der Donau im Machland und letzteres bei Krems. Zu Klebels Kommunikationsstil und dessen Folgen siehe auch
NÖLA, NL EK, K. 6, Korrespondenz, Mappe 4 (Theodor Mayer), Brief Mayers an Klebel vom 25.08.1947 :
Lieber Herr Klebel ! Ihr Schreiben vom 22. d. M. ist heute eingelangt, ich will es gleich beantworten. Fürs erste aber
muss ich Ihnen sagen, dass sie sich im Ton wieder einmal vergriffen haben. Ich bitte Sie, sich etwas mehr im Zaum
zu halten, so ist eine Korrespondenz nicht zu führen.
14 Interview des Autors mit em. Univ.-Prof. Hermann Fillitz am 07.08.2009. Strzygowskis Verdienst sei es vor
allem gewesen, die islamische Kunst in den Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung gestellt zu haben. Er
habe viele Objekte entdeckt, die sich heute allerdings allesamt in Berlin befinden, da in Wien damals kein
Interesse daran geherrscht habe. Zu Strzygowski siehe Andreas Früchtl, Strzygowski als Wegbereiter einer
vergleichenden Weltkunstgeschichte ? Untersuchung zur Genese der Strzygowskischen kunstwissenschaftli-
chen Methode von 1885–1889 (DA Wien 2006) ; Gabriele Anna Reisenauer, Josef Strzygowski und die
islamische Kunst (Wien DA 2008). Zum „Nordischen“ siehe Josef Strzygowski, Aufgang des Nordens. Le-
benskampf eines Kunstforschers um ein deutsches Weltbild (Beiträge zur vergleichenden Kunstforschung 12,
Leipzig 1936) 111 : „Es hat sich gerade in den letzten bald hundert Jahren, als die ‚geschichtliche‘ Auffassung
auf allem Denken wie Mehltau lag, gezeigt, dass das Deutschtum dabei völlig in die Brüche gehen kann. Wir
müssen wenigstens eine Zeitlang alles, was romanisch und südlich ist, zurückschieben und in Wissenschaft
wie Kunst unsere eigene verlorene Natur wieder zu erkennen suchen. […] In der Zwischenzeit aber gilt es,
im Erforschen der aus Lage, Boden und Blut des Nordens geborenen, dann verlorenen und jetzt wieder zu
gewinnenden Kräften und Werten ins reine zu kommen. Seit 1933, in welchem Jahre dieser Vortrag gehalten
wurde, haben die breiten Massen des Volkes im Reiche in dieser Richtung große Fortschritte gemacht, nicht
aber die Wissenschaft.“ Eine katastrophale Einschätzung Strzygowskis als Lehrer findet sich bei Gerhart B.
Ladner, Erinnerungen, hg. v. Herwig Wolfram, Walter Pohl (SB Wien 617, Wien 1994) 23 : „Ebenso wie
die Lehrzeit bei Dopsch war auch die bei Strzygowski letzten Endes enttäuschend. Nicht nur war das chrono-
logische Herumspringen in der Kunstgeschichte inmitten von unbeweisbaren Ableitungen später Phänomene
von verlorenen früheren für einen Historiker schwer annehmbar, sondern auch war seine recht amusische, eher
naturwissenschaftliche Einstellung zur Kunst für einen weitgehend ästhetisch bestimmten Kunstliebhaber auf
die Dauer schwer erträglich.“ Zu Ladner siehe Österreichische Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 248f.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien