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Ernst Klebel (1896–1961) 497
Bayern gemeint sein müssen32. Alleine diese eine Edition Klebels ist heute noch von
Bedeutung, auch wenn die Zeit über viele seiner Interpretationen hinweggegangen ist.
Er steht hier zeitlich an der Spitze sicherlich weiter zu diskutierender Forschungspro-
bleme. Klebel arbeitete zudem an einer weiteren Edition für die MGH, nämlich an der
des Schwabenspiegels, wobei Hans Voltelini lange Zeit sein Vorgesetzter war33. Klebel
bekam hier allerdings, anders als noch von Bresslau, heftigen Widerstand zu spüren.
Sowohl Theodor Mayer, Präsident der MGH, als auch Hans Planitz, wandten sich in
einer Sitzung 1944 gegen Klebel, den sie als Mitarbeiter offenbar für nicht geeignet hiel-
ten34. Das Erscheinen der Edition, deren Bearbeitung durch ihn so starken Widerstand
ausgelöst hatte, erlebte Klebel dann nicht mehr35.
32 Zuerst in Herwig Wolfram, Bayern, das ist das Land der Němci. Gedanken zu „in regno Teutonicorum“
aus Cod. 718, in : Österreichische Osthefte 33 (1991) 598–604. Siehe auch ders., Salzburg (wie Anm. 29)
59–66, mit reichen Angaben der älteren Literatur. So zuletzt auch Roman Deutinger, Königswahl und Her-
zogserhebung Arnulfs von Bayern. Das Zeugnis der älteren Salzburger Annalen zum Jahr 920, in : DA 58/1
(2002) 17–68, hier 23f.
33 Zu Voltelini siehe Österreichische Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 432. Voltelini betreute die Edition des
Schwabenspiegels durch Klebel für die MGH.
34 OÖLA, NL IZ, Schachtel 3, Klebel an Zibermayr, 03.06.1944, fol. 1–3 : Lieber Herr Hofrat ! Wie Du vielleicht
weißt, war heute Prof. [Karl Gottfried] Hugelmann hier, u. erzählte mir, Du seiest noch weit mehr der Meinung,
als er, ich hätte in der Schwabenspiegelsache Theodor Mayer gegenüber verkehrt gehandelt, als ich der Sitzung vom
12.2. auswich. Mich hat diese Mitteilung gar nicht gewundert ; denn ich habe schon an [Claudius von] Schwerin
wie an H[erbert] Klein die Wirkung von Mayers Suada gut beobachten können. […] Um es geradeheraus zu sagen :
meine Erfahrung mit Professoren u. speziell mit denen aus und von Wien sind keine guten. Gewiß, man hat mich zu
der Sitzung geladen. Mir wurde als wahrscheinlich mitgeteilt, dass dort außer Planitz, über den ich mich stets mehr
ärgere, da er erst aller Lobessprüche voll war und nun so feindselig, als möglich ist, Srbik, Mayer und Dopsch zu
erwarten wären. Dass statt Dopsch [Ludwig] Bittner und [Dietrich] Kralik kämen, ahnte ich nicht. […] Srbik war
stets nett zu mir, hat sich auch jetzt als ich am 18.5. bei ihm war, auch wieder nett gezeigt, aber durchboxen wird
er nichts für mich, Und Mayer ? Ehe ich auf dieses zähe Kapitel eingehe, noch eine allgemeine Beobachtung : wenn
bei einer Sitzung 4 oder 5 Wiener Ordinarien sitzen, von denen mich einer anklagt (Planitz), dann erwarte ich von
den anderen keine Gerechtigkeit. […] Planitz hat, wie ich hinterher hörte, rundweg bestritten, was ich mit ihm
beredet habe. Wenn ich mich dann dagegenstelle, gibt´s höchstens Krach, aber kein Ergebnis. […] Schon im Mai
1942 bei der Sitzung über Planitz und den Schwabenspiegel machte er [Theodor Mayer] Bemerkungen, aus denen
ich irgendwie heraushörte, meine Arbeit am Schwabenspiegel erschiene ihm irgendwie fehl angewendet. „Dann steht
in der Einleitung, ausgerechnet in St. Blöden erschienen.“ Klebel war bis 1939 „hauptberuflich für die Ausgabe
des Schwabenspiegels tätig“. Planitz wurde 1942 die Leitung der Edition übertragen, siehe Karl August Eck-
hardt, Einleitung. Schwabenspiegel, Kurzform (MGH, Fontes iuris Germanici antiqui, Nova series 4/1–2,
Hannover 1960–1961, 21974) 14.
35 Der Herausgeber würdigte in der Einleitung aber die Vorarbeiten Klebels, siehe ebd. 17 : „Es ist ein Gebot wis-
senschaftlicher Fairneß, wenn ich bekenne, daß ich ohne die im Druck vorliegenden Arbeiten von Klebel und
(Hans) Lentze die nachstehende Ausgabe entweder überhaupt nicht oder doch nur unter teilweise unzutref-
fenden Prämissen fertigen hätte können. Klebel hat unser Wissen um die Überlieferung des Schwabenspiegels
ungemein bereichert und auch methodisch neue Wege gewiesen.“
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien