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Ernst Klebel (1896–1961) 501
somit Germanenreste nachweisen“ ließen, was fraglos als antislawisches Pejorativum zu
bezeichnen ist51.
Im Auftrag des Münchner Südost-Instituts schrieb Klebel eine „Siedlungsgeschichte
des deutschen Südostens“52. Dieses Institut stand in enger Kooperation mit der SODFG,
deren Gründung wesentlich von österreichischer Seite betrieben worden war und sich
1931 in Wien konstituiert hatte. Der Sache nach war sie ein Netzwerk für die Koordi-
nation der Erforschung der deutschen Volksgruppen, die nach dem Ende der k. u. k.
Monarchie zu Minderheiten in den Nachbarländern geworden waren. Hans Hirsch, der
die Forschungsgemeinschaft zwischen 1934 und 1939 leitete, wollte durch diese wissen-
schaftliche Tätigkeit aber auch „moralische Impulse“ gesetzt sehen, die zum Ziel haben
sollten, das „Volksbewußtsein zu wecken und zu mehren bei bewusster Fernhaltung von
allen politischen Bestrebungen“53. Diese großdeutsch motivierte wissenschaftspolitische
Ausrichtung fügte sich aus österreichischer Perspektive zunächst vor allem in die An-
schlussforderung, die seit 1933 aber keine Konsensbasis mehr hatte. Seit der Machter-
greifung Hitlers spielte sie eine Rolle als Legitimationsmittel für dessen expansive und
aggressive Außen- und Kriegspolitik. Dem Münchner Südost-Institut blieb Klebel dann
auch nach Kriegsende weiterhin verbunden54.
Nach 1945 ist weder ein Paradigmenwechsel im Geschichtsbild Klebels erkennbar,
noch sind Reflexionen über die Verstrickung in das NS-Regime überliefert. Es gab auch
keine thematische Neuausrichtung seiner Forschungsinteressen. Klebels alter Gegner
Theodor Mayer wurde dagegen nun zu einer wichtigen wissenschaftlichen Bezugsper-
son. Mit ihm stand er fortan in engem Briefkontakt. Mayer hatte 1945 als Nationalsozi-
alist die Leitung der MGH abgeben müssen und war 1945/46 in Arrest genommen wor-
den55. In dem Briefwechsel, den die beiden pflegten, ging es aber zumeist um fachliche
Fragen, während (Tages-)Politisches ausgespart blieb56. Selten wurde Kollegenschelte
51 Ernst Klebel, Die mittelalterliche deutsche Siedlung im deutsch-magyarischen und deutsch-slowenischen
Grenzraum, in : Volk und Reich 10/1–2 (Berlin 1934) 31–78, hier 34 : Ihre Vernichtungsarbeit scheint in dem
dichtbewohnten Kärnten eine gründliche gewesen zu sein. Die slawische Ortsnamensgebung überwog von da an.
52 Ernst Klebel, Siedlungsgeschichte des deutschen Südostens (Veröff. des Südost-Instituts München 14, Mün-
chen 1940) 12. Siehe UAR, Philosophisch-Theologische Hochschule, 186/2 Klebel, Lebenslauf.
53 Vgl. zur Tätigkeit Hirschs Zajic, Hirsch (wie Anm.13) 244. Zur SODFG siehe Michael Fahlbusch, Süd-
ostdeutsche Forschungsgemeinschaft, in : Handbuch der völkischen Wissenschaften (wie Anm. 39) 688–697,
hier 690 (zur Gründung) und 691 (Zitat Hirsch).
54 Siehe unten Anm. 131.
55 Zu Mayer siehe Maurer, Theodor Mayer (wie Anm. 20).
56 StadtA Konstanz, NL ThM, Korrespondenz mit Klebel. Neben Privatem und Fachlichem wurde einzig Unver-
fängliches, wie z.B. die Wahl von Angelo Giuseppe Roncalli zum Papst Johannes XXIII. (1958–1963), thema-
tisiert, ebd. K. 4, Brief Mayers an Klebel vom 05.11.1958 : Sind Sie mit der Wahl des neuen Papstes zufrieden ?
Der allgemeine Umschwung an der Kurie scheint ziemlich tiefgreifend zu sein, es dürfte wohl eine sehr reservierte
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien