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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 503 -
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Ernst Klebel (1896–1961) 503 IV. Oben wurde die politische Position Klebels bereits angesprochen und soll hier nun ver- tieft dargestellt werden. Zunächst ist zu erwähnen, dass Klebel 1921 bis 1923 Mitglied der Großdeutschen Volkspartei war, was seiner deutschnationalen Gesinnung entsprach.61 In einem wohl 1939 selbst verfassten Lebenslauf, in Ichform geschrieben, aber nicht unter- zeichnet, beschreibt Klebel dann seine Verdienste um den „Anschluss“. Bei der Interpre- tation dieses Selbstzeugnisses muss man die Interessenlage Klebels, dem NS-Regime seine eigene Rolle möglichst bedeutend erscheinen zu lassen, bedenken. Die NSDAP aner- kannte diese Darstellung, denn Klebels Parteinummer war eine der sogenannten Sechs- millionennummern, die für die illegalen österreichischen Nationalsozialisten reserviert waren62. Als Grund für seinen Eintritt in den christlich-konservativ geprägten CV gab Klebel an : Eine innere Krise trieb mich 1923 dazu, in den C.V. einzutreten. Dabei habe er die ihm völlig unbekannte Korporation Amelungia ausgewählt63. Dort wählte er den Coleurnamen Harald64. In dieser Verbindung aber hätten Legitimisten unter der Führung Eugen Lanskes und Anhänger des Anschlusses unter der Führung von J[osef] A. Tzöbl um die Vorherrschaft gekämpft65. Bald wurde ich selbst ein Führer des Anschlussflügels […], sah in der deutschen Studentenschaft den formellen Ausdruck unseres Anschlusswillens und kämpfte 1925 bis 1933 zusammen mit Dr. Erich Führer […]. Die inneren Kämpfe im C.V. um diese Frage [sc. den Anschluss] führten dreimal zum Dimissionsverfahren gegen mich, stets ergeb- nislos66. Angeblich soll Klebel mit 25 Mitgliedern der Amelungia versucht haben, eine 61 ÖSta, AdR, GA Ernst Klebel fol. 7. 62 Ebd. Personalfragebogen. Siehe auch Anm. 76. 63 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 6. 64 Brief Hermann Spitalers von der CV-Verbindung Amelungia an den Autor vom 21.07.2009. 65 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 6f. Tatsächlich wird Klebel im Gesamtverzeichnis des Österrei- chischen CV aus dem Jahr 1935 nicht mehr als Mitglied der Verbindungen Amelungia und Pflug erwähnt, siehe OeCV. Die Ehrenmitglieder, Alte Herren und Studierenden des OeCV des österr. Cartell-Verbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (Wien 1935). 66 Auch Spitaler (wie Anm. 64) berichtet von einem Anschlussfügel im CV. Die Amelungia sei aber als eindeutig ‚katholisch-österreichische‘ Vereinigung gegründet [worden] und blieb in ihrer großen Mehrheit diesem Gründungs- gedanken immer treu. Klebel hat in der zweiten Hälfte der 20er Jahre gemeinsam mit einigen anderen Bundes- brüdern versucht, diese Linie zu durchbrechen. Von den geschilderten Dimissionsverfahren, die gegen Klebel angestrengt worden sein sollen, wisse man seitens der Amelungia nichts. Diese müssten allenfalls vom Pflug angestrengt worden sein. Herbert Fritz, Reinhart Handl, Peter Krause, Gerhard Taus, Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–1945 (Wien 1988) 386 : „Wegen seiner großdeutschen Haltung muß er [sc. Klebel] bereits 1933 aus den ( !) CV ausscheiden.“ Der erwähnte Eugen Lanske war Gründungsmitglied der Amelungia, siehe OeCV. Die Ehrenmitglieder (wie Anm. 65) 48. Zu ihm siehe Die geistige Elite Österreichs. Ein Handbuch der Führenden in Kultur und Wirtschaft, hg. v. Marcell Klang (Wien 1936) 529, zu Josef Alois Tzöbl ebd. 918f. Erich Führer war 1934 Verteidiger der Juliputschisten Otto Planetta und Franz Holzweber, die wegen
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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