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504 Wolfram Ziegler
großdeutsche Verbindung aufzubauen, was ihm aber nicht gestattet wurde67. In den Kon-
ventsprotokollen der Amelungia findet sich hierzu kein Hinweis68. Die Spaltung zwischen
katholisch-österreichischen und großdeutschen Amelungen führte schließlich zum Zer-
würfnis. Klebel meint dazu 1939 : Darüber zerbrach im Februar 1930 die Amelungia und
ich ging mit 23 anderen zur [1921 gegründeten] Verbindung „Pflug“, bei welcher fast alle
Mitglieder für den Anschluss eintraten69. Nach 1945 soll Klebel mehrmals probiert haben,
in die CV-Verbindung Amelungia, die noch heute besteht, wieder aufgenommen zu wer-
den70. Doch zurück zu Klebels Selbstzeugnis : 1933 habe ich über Druck des vaterländischen
Ministers Dr. L.[udwig] Strobl auch diese Korporation [Pflug, der Verf.] verlassen müssen71.
Den Grund hierfür wird man sicherlich darin sehen können, dass der CV im Rahmen der
Errichtung des Ständestaates eine Klärung der Verhältnisse in Bezug auf den Nationalso-
zialismus herbeiführen wollte72. Klebel meint im erwähnten Curriculum Vitae weiters, er
habe 1927 die NSDAP kennen gelernt und am 9. 11. 1927 eine Rede des Führers gehört73.
Seit Herbst 1932 habe er sich in Wien zudem für die „Jungfront“ regelmäßig als Propa-
gandaredner engagiert74. Unmittelbar an den Passus, in welchem er über seine Tätigkeit
Mordes zum Tod verurteilt wurden, siehe Gerhard Jagschitz, Der Putsch. Die Nationalsozialisten 1934 in
Österreich (Graz/Wien/Köln 1976) 118f. ; 172.
67 Gerhard Hartmann, Der CV in Österreich (Limburg-Kevelaer 32001) 344 ; Siegfried Schieweck-Mauk,
Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Die Korporationen und Vereinigungen des Cartellverbandes der
Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) und des Cartellverbandes der katholischen österrei-
chischen Studentenverbindungen (ÖCV) in geschichtlichen Kurzdarstellungen (Gemeinschaft für deutsche
Studentengeschichte, Köln 1997) 564f.
68 Spitaler (wie Anm. 64).
69 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 7. So bezüglich des Übertritts zur Verbindung Pflug auch Spitaler
(wie Anm. 64).
70 Ebd. : Ich selbst weiß, dass er (sc. Klebel) nach 1945 wiederholt versucht hat, zur Amelungia zurückzukommen.
Dies wurde aber nie genehmigt, da seine Consemester immer auf seine NS-Vergangenheit verwiesen haben.
71 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 7. Vgl. aber auch die Darstellung bei Karl Wolfgang Schrammel,
Die Geschichte der Franko-Bavaria (Wien 1998) 79 : „Während sich der Großteil der Neo-Pflüger rasch in die
neue Korporation einlebte, blieb der deutschnationale Dr. Ernst Klebel ein Fremdkörper im Pflug. Durch seine
Weltanschauung, die von einer positiven Einstellung gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus ge-
prägt war, entstand der Ruf des Pfluges‚ eine Verbindung von Nazis zu sein. Klebel schied mit wenigen anderen
bereits 1933 wieder aus der Verbindung aus.“ Zu Strobl siehe Die geistige Elite (wie Anm. 66) 898–900.
72 Gerhard Popp, Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindung (CV) in Österreich.
1864–1938 2. Organisation und Öffentlichkeitswirkung (masch. Diss. Wien 1980) 498 : „ […] der National-
sozialismus konnte sich durch die Art der Anschlußforderung nicht durchsetzen.“
73 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 7.
74 Unklar ist, was Klebel damit meinte. Möglicherweise handelte es sich um die sogenannten „Katholischen
Jungakademiker“, deren Mitglied Klebel war, siehe Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Kt. Do
183, NL 10, Sammlung Theodor Veiter, Mappe 1, Liste der Mitglieder. Zu den „Jungakademikern“ und ihrer
politischen Programmatik siehe Anton Staudinger, Zu den Bemühungen katholischer Jungakademiker um
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien