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Ernst Klebel (1896–1961) 505
als Propagandist für den Anschluss informiert, berichtet er, auch seinen zahlreichen wis-
senschaftlichen Arbeiten die gleiche Richtung gegeben zu haben75. Schließlich bekennt sich
Klebel zum Beitritt zur NSDAP und auch dazu, Informationen aus kirchlichen Kreisen
weitergegeben zu haben76. Die Verquickung katholischer, deutschnationaler und natio-
nalsozialistischer Ausrichtung wurde für Klebel nun ein Lebensthema, das ihn – zumin-
dest beruflich – immer wieder einholen sollte. Im Hinblick auf seine akademische Karri-
ere lag für ihn in diesen Jahren zunächst der Schwerpunkt auf dem Bemühen, die
Verleihung der Venia legendi an der Universität Wien zu erreichen. Schon 1929 hatte er
um ihre Erteilung angesucht. Die Habilitationskommission hatte neben der fachlichen
auch seine persönliche Eignung zu prüfen. In zwei Sitzungen am 4. Juli 1929 und am 26.
Februar 1930 untersuchte sie nun sehr eingehend […], ob ein Grund vorhanden sei, der die
Habilitation des Anwärters […] ausschließen könnte. Die Kommission, der Wilhelm Bauer,
Alfons Dopsch, Hans Hirsch, Friedrich Machatschek, Carl Ludwig Patsch, Heinrich von
Srbik, Gustav Turba und Hans Uebersberger angehörten, entschied mit Stimmeneinhellig-
keit […], dass ein solcher Fall nicht gegeben sei, und empfahl am 14. Januar 1931, die Ver-
leihung der Venia legendi77. Laut Eigenaussage Klebels in einem Brief an Ignaz Ziber-
mayr, den Direktor des Oberösterreichischen Landesarchivs, von 1944 habe Dopsch
allerdings versucht, seine Habilitation zu verhindern78. Tatsächlich scheint zwischen
eine ständisch-antiparlamentarische und deutsch-völkische Orientierung der Christlichsozialen Partei, in : Fe-
bruar 1934. Ursachen – Fakten – Folgen, hg. v. Erich Fröschl, Helge Zoitl (Thema Zeitgeschichte 2, Wien
1984) 221–231, und Anton Staudinger, Austrofaschistisches „Österreich“-Ideologie, in : Austrofaschismus.
Politik – Ökonomie – Kultur 1933–1938, hg. v. Emmerich Tálos, Wolfgang Neugebauer (Politik und
Zeitgeschichte 1, Wien 52005) 28–52, bes. 31–33.
75 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 7.
76 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 7f. : Als Parteiverbot und Illegalität jede andere Rücksicht überflüssig
machte, trat ich mit 1.6.1933 der NSDAP als Mitglied bei und stellte meine wissenschaftlichen Vorträge, die ich
auch in den klerikalsten Zirkeln halten konnte wie meine Kenntnisse über die inneren Vorgänge in den klerikalen
Kreisen, der NSDAP zur Verfügung. Davon abweichend gab Klebel in einem im UAR, Philosophisch-Theo-
logische Hochschule, 186/2 Klebel, verwahrten Bogen, der wohl zum Diensteintritt an der Philosophisch-
Theologischen Hochschule auszufüllen war, handschriftlich auf der Rückseite unter Punkt 8. den 20.05.1938
als Eintrittsdatum an.
77 UAW, PA EK fol. 31. Zu Bauer siehe Martin Scheutz, Wilhelm Bauer (1877–1953). Ein Wiener Neu-
zeithistoriker mit vielen Gesichtern. „Deutschland ist kein ganzes Deutschland, wenn es nicht die Donau,
wenn es Wien nicht besitzt“, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 2) 247–281 ; zu Dopsch siehe Tho-
mas Buchner, Alfons Dopsch (1868–1953). Die Mannigfaltigkeit der Verhältnisse, in : ebd. 155–190 ; zu
Machatschek siehe den Nachruf von Gustav Fochler-Hauke in : Petermanns Geographische Mitteilungen
102 (1958) 1–5 ; zu Patsch siehe Österreichische Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 309f. ; zu Turba siehe
ebd. 420 ; zu Uebersberger ebd. 421.
78 OÖLA, NL IZ, Schachtel 3, Klebel an Zibermayr, St. Pölten, 03.06.1944, fol. 2 : Über Dopsch und seine Feind-
seligkeit gegen mich seit je her brauche ich ja nichts zu sagen ; dass meine Habilitation an ihm fast gescheitert wäre,
weißt Du. Zu Zibermayr siehe Österreichische Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 471.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien