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Ernst Klebel (1896–1961) 507
das Ehrenband Amelungiae bekommen hat83, hatte allerdings schon am 2. Juli 1934 in
einem Schreiben an den Dekan der Philosophischen Fakultät, Adolf Franke, in Aussicht
genommen, Klebel die Habilitation zu entziehen84. Von Bedeutung ist das Datum des
Schreibens. Denn am 25. Juli 1934 wurde Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Zuge des
Juli-Putsches ermordet85. Klebel soll die Ermordung von Dollfuß, so berichten Mitglieder
seiner ehemaligen CV-Verbindung Amelungia, mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen
haben86. Da die österreichischen Behörden seit Ende Mai von Planungen eines bevorste-
henden Putsches wussten, dürften diese nun verstärkt gegen ihre Gegner vorgegangen
sein87. Minister Schuschnigg argumentierte in zitiertem Schreiben auf dieser Linie : Der
Genannte sympathisiert nach Informationen, welche dem Bundesministerium für Unterricht
zugekommen sind, mit dem Nationalsozialismus und beurteilt aus dieser seiner Einstellung
heraus, ohne aus derselben ein Hehl zu machen, grundsätzlich und zwar fachlich – betont die
österreichische Bundesregierung […]. Da Dr. Klebel für ein historisches Fach habilitiert ist,
besteht im besonderen Masse die Gefahr, dass die erwähnte Gesinnung in seiner Unterrichtstä-
tigkeit unmittelbar oder mittelbar mindestens bei Besprechung weitausladender geschichtlicher
Probleme zum Ausdruck kommt und auf diesem Wege zu einer gleichgerichteten Beeinflussung
der Studierenden oder zu Ruhestörungen führt. Das Professorenkollegium der Philosophi-
schen Fakultät, welche sich damit befassen musste, nahm die Aberkennung zur Kenntnis.
Eine etwaige Fürsprache für Klebel ist nicht bekannt beziehungsweise ging nicht in das in
dieser Sache erstellte Protokoll ein, obwohl Klebel selbst davon spricht, dass sich alle mög-
lichen Stellen für mich verwendet [haben], es waren Rektor und Dekan, weiters mein Chef,
Hofrat v. Voltelini, sowie Herr Minister von Srbik wie Professor Hirsch bei Sektionschef Löben-
stein, der Dekan angeblich auch bei Schuschnigg, es hat sich auch der frühere Unterrichtsmi-
nister Dr. Czermak für mich verwendet, wie sie sehen erfolglos88. Von den Genannten hatte
sich nur Srbik nachweislich für Klebel eingesetzt, wie aus einem Brief von diesem hervor-
geht89. Klebel konzipierte drei Tage darauf ein Dankeschreiben, in welchem er sich kämp-
83 OeCV. Die Ehrenmitglieder (wie Anm. 66) 50.
84 UAW, PA EK, Bundesminister Schuschnigg an Adolf Franke, Wien 02.07.1934.
85 Jagschitz, Putsch (wie Anm. 66) 114.
86 Mündliche Mitteilung Hermann Spitalers von der CV-Verbindung Amelungia vom 29.07.2009.
87 Jagschitz, Putsch (wie Anm. 66) 90f.
88 UAW, Professorenkollegium der Philosophischen Fakultät, Sitzungsprotokolle 1932/33–1934/35, fol. 478 :
Protokoll am 10. November 1934 über die Sitzung des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät der
Universität Wien. Anwesende Professoren waren u.a. Otto Brunner, Dopsch, Hugo Hassinger, Richard Meis-
ter, Josef Nadler, Hans Przibram und Srbik. Ebd. fol. 480 : Widerrufung der Zulassung des Dr. Ernst Klebel als
Privatdozent für Geschichte des Mittelalters. Wird zur Kenntnis genommen. Die Aufzählung der Fürsprecher in
Burkhard Klebel, NL EK, Brief Klebels an Anton Mell vom 06.10.1934. Zu Emmerich Czermak siehe den
Art. „Czermak, Emmerich“, in : Österreich Lexikon 1, hg. v. Ernst Bruckmüller (Wien 2004) 234.
89 Burkhard Klebel, NL EK, Brief Srbiks an Ernst Klebel vom 05.10.1934 : Ich möchte Ihnen nur als Beispiel mei-
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien