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Ernst Klebel (1896–1961) 515
sein muss, hatte er abgelehnt122. Klebel nahm stattdessen 1939 eine Stelle am Stadtarchiv
St. Pölten an123. 1941 setzten sich einige seiner Wiener Kollegen vergebens beim Reichs-
minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust um eine außerplan-
mäßige Professur für ihn ein. Namentlich waren dies Otto Brunner, Wilhelm Bauer, Heinz
Zatschek und Heinrich von Srbik124. Die Fürsprache dieser systemkonformen Historiker
nützte Klebel nichts. Denn nun wurde ihm seine Mitgliedschaft im CV zum Verhängnis.
Beinahe ein Jahr sollte vergehen, ehe das REM gegen Klebel entschied und ein Abschreiben
sandte : Mit Rücksicht darauf, dass KLEBEL dem Österreichischen CV angehört hat und wirkli-
che Verdienste in politischer Hinsicht, die eine Ausnahme rechtfertigen könnten, nicht vorliegen,
sehe ich mich im Einvernehmen mit dem Leiter der Partei-Kanzlei veranlasst, seine Ernennung
zum apl. Professor vorerst zurückzustellen. Ich werde bei gegebener Veranlassung auf die Ange-
legenheit zurückkommen125. Klebel führte das nach Kriegsende ins Treffen126. Während des
Krieges war seine Erklärung, warum ehemalige Österreicher kaum zu Ordinarien berufen
worden seien, anders ausgefallen. Mehrfach habe ich im Altreich bemerkt, dass die Art von
Wissenschaft, die wir im Institut [IÖG] gelernt haben, jener Form, wie sie von Berlin ausgeht,
und bei den meisten Trägern derselben den Charakter einer Art Apologetik annimmt, wesentlich
überlegen ist. Deshalb will man ja auch keinen von uns im Altreich dulden127.
Von seiner Position als Archivar in St. Pölten versuchte er nun, nach dem Tod Hirschs
Einfluss auf die Nachfolge der Leitung des IÖG zu nehmen. Ich war in den letzten 14
122 Der Terminus ante quem ergibt sich aus einem Schreiben von Hans Hirsch an Heinrich von Srbik, siehe
Srbik, Korrespondenz (wie Anm. 13) Nr. 315, Wien, 30.07.1938, 493 : Er hätte das Extraordinariat für his-
torische Hilfswissenschaften in Berlin haben können, das anzunehmen sogar ich ihm riet. Warum tat er es nicht ?
Jetzt muß er eben nehmen, was ihm geboten wird.
123 Österreichische Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 220.
124 UAW, PA EK, fol. 91 und 99–101.
125 Ebd. fol. 102, 11.06.1942. Klebel las weiterhin nur als Dozent an der Universität Wien, siehe die autobio-
grafische Skizze Heinrich Fichtenau, in : Recht und Geschichte. Ein Beitrag zur österreichischen Gesell-
schafts- und Geistesgeschichte unserer Zeit, hg. v. Hermann Baltl, Nikolaus Grass, Hans Constantin
Faussner (Studien zur Rechts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte 14, Sigmaringen 1990) 43–57, hier 49.
126 Burkhard Klebel, NL EK : Meldebogen auf Grund des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus
und Militarismus vom 05.03.1946 r., Nr.14 : JEDERZEIT PRAKT KATHOLIK ; ALS SOLCHER VOM
V.[ÖLKISCHEN] B.[EOBACHTER] FEB. 32 & JAN 36 BEZEICHNET ; PROF : TITEL 1932 DESHALB
VERWEIGERT ; ALS GEGNER DER NATIONALITÄTENPOLITIK DER NAZI VERWENDUNG ALS
SPEZIALIST 1941–2 SABOTIERT. Auch Fritz Posch, in : Recht und Geschichte (wie Anm. 125) 197–219,
hier 208, erwähnt, dass Klebel seine katholische Ausrichtung geschadet habe, nämlich dass „[…] damals aber
auch Ernst Klebel […] froh sein mußte, einen Stadtarchivdirektorenposten zu erreichen, nachdem er als
CVer vor seinen Bundesbrüdern als Anschlußfreund nach Deutschland geflüchtet, dort aber wieder bei den
Nazis in Ungnade gefallen war […]“.
127 AAVČR, NL Heinz Zatschek, Brief Klebels an Zatschek vom 19.09.1940. Zu Zatschek siehe Karel Hruza,
Heinz Zatschek (1901–1965). „Radikales Ordnungsdenken“ und „gründliche, zielgesteuerte Forschungsar-
beit“, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 2) 677–792.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien