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Ernst Klebel (1896–1961) 521
die den Konflikt nicht nur nicht scheute, sondern oft auch suchte. Die geschilderten
Spannungen werden zum Teil aber auch politische Ursachen gehabt haben, die darin
begründet lagen, sowohl dem katholischen, als auch dem deutsch-nationalen und später
nationalsozialistischen Lager angehören zu wollen148. Beides waren Netzwerke, die neben
den politischen Inhalten, die ihre Mitglieder vertraten, auch der Karriere dienlich waren,
aber nach 1933 nur mehr begrenzte Schnittmengen aufwiesen. Klebel war bei den Nati-
onalsozialisten durch seinen Katholizismus konfessionell und das hieß zugleich politisch
punziert, was ihm schließlich zum massiven Karrierehemmnis wurde. Umgekehrt hatte
ihn in Österreich zuvor seine nationalsozialistische Gesinnung seine berufliche Existenz
gekostet.
Zu erwähnen ist auch nochmals das IÖG. Letztlich war dieses Institut neben seiner
Tätigkeit als Ausbildungsstätte für Archivare und hoch spezialisierte Mediävisten auch
eine Kaderschmiede der universitär tätigen Historiker. Dort galten die strikten Hierar-
chien der „Ordinarienuniversität“, die Klebel offenbar wiederholt nicht anerkannte, aber
nichtsdestotrotz positive Einflussnahme der Ordinarien für seine Person erwartete. Klebel
konnte, oder wollte nicht leisten, was man von ihm verlangte. Die Fähigkeit, die eige-
nen Handlungen distanzierend und reflektierend zu betrachten, und die Begabung, die
Uneindeutigkeit einer Situation zu ertragen, waren ihm offenbar nicht immer gegeben.
Es griffen dann bald Exklusionsformen im Wissenschaftsbetrieb, die er nicht mehr be-
einflussen konnte, ihn aber betrafen. Eine berechenbare akademische Karriere gab es für
ihn zunächst nicht mehr. Für Klebel dürfte das wechselseitige Bedingungsverhältnis von
institutionellem und sozialem Kontext nicht mehr zu steuern, teils wahrscheinlich auch
nicht mehr zu verstehen gewesen sein. Die vorgestellte Biografie Klebels weist durchaus
dann zur Strassenbahn begleiteten, haben Sie laut und offen geschimpft, haben erklärt, Ihr ganzes Missgeschick sei
nur auf die gehässige Stimmung gegen alle Österreicher zurückzuführen. Die Leute drehten sich nach uns um und
ich ersuchte Sie mehrmals, sich doch zu mäßigen. Wenn Sie das auch anderswo getan haben, hat Ihnen das jeden-
falls geschadet. Mayer fügte zudem hinzu : Mit welchen Ausdrücken haben Sie damals aber Platzhoff beschimpft.
Im Jahr 1947 schrieb ihm Mayer, er (Klebel) habe sich die Steine immer selber in den Weg gelegt, oft in der
Gestalt von Felsen und die Komplikationen haben Sie verursacht. […] Wie oft musste ich, wenn ich mich für Sie
einsetzte, hören : Ja für Klebel muss etwas geschehen, aber bitte in keinem Fall bei uns. Dieses Urteil konnte man in
München, in Wien usw. hören, siehe NÖLA, NL EK, K. 6, Korrespondenz, Mappe 4 (Theodor Mayer), Brief
Mayers an Klebel vom 25.08.1947. Siehe auch ÖStA, AdR, GA Ernst Klebel, fol. 11 : Allerdings ist Kleber
[sic] auch auf Widerstand gestossen, da ihn seine Kombinationsgabe nicht selten zu nicht haltbaren Vermutungen
verleitete. Kleber ist ein absolut integrer Charakter, stets bereit für seine politischen und wissenschaftlichen Ansich-
ten einzustehen. Leider mangelt ihm die Gabe der Menschenbehandlung. Eine gewisse Leichtgläubigkeit gegenüber
den ihm zugetragenen Berichten, hat ihn nicht selten in persönliche Konflikte verwickelt.
148 Das beobachtete schon Voltelini. ÖStA, HHStA, NL Hans Voltelini 1, Mappe 1–24, Brief Voltelinis an Kle-
bel, Wien 29.06.1937 : Cliquen werden ja auch sein und bei Ihrer katholisch-nazionalen ( !) Einstellung werden
Sie es doppelt schwierig haben. Um so zurückhaltender müssten Sie sein.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien