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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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524 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Als Archivar (1923–1962) und Direktor des NÖLA (1940–1962), als Generalsekretär des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich (= VfLKNÖ) (1927–1970) und als Schriftleiter diverser landeskundlicher Publikationsorgane (1927–1972/1975) hat er es zudem geschafft5, über große politische Zäsuren des 20. Jahrhunderts hinweg – 1934, 1938, 1945 – in Amt und Funktion bleiben zu können, bis er nach dem Zusammenbruch des NS-Systems auch zum Universitätslehrer (1948–1972) aufstieg. Ausgehend von der These, dass wissenschaftliches Forschen und Arbeiten nicht abgekoppelt von gesellschafts- politischen Strömungen und in Abhängigkeit von Institutionen und gruppensoziologi- schen Prozessen stattfindet6, möchte der folgende erste Teil des Aufsatzes einen Beitrag leisten, das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft genauer zu vermessen. Zwei Netzwerke von Beziehungen bilden die Leitlinie der Untersuchung. Sie grup- pieren sich um Lechners Engagement im katholischen Bund „Neuland“ und um seine Tätigkeit im Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Das breite Spektrum der bis- lang noch zu wenig thematisierten politischen Aktivitäten katholisch-deutschnationaler Intellektuellenkreise, darunter nicht zuletzt von Historikern, in den krisengeschüttelten 1930er-Jahren bildet einen Schwerpunkt dieser Arbeit. Weitere Themenbereiche widmen sich Fragen von Lechners Haltung zu Demokratie und „Ständestaat“, zu Rassismus, Na- tionalsozialismus und Großraumdenken, zu Entnazifizierung und Zweiter Republik. Ein Hauptaugenmerk liegt auch auf Lechners Deutung der österreichischen Geschichte sowie auf der Frage, ob, und wenn ja, inwiefern die politischen Brüche Modifizierungen die- ser Interpretationen bewirkten. Lechners wissenschaftliche Karriere, seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien und seine Aktivitäten als Wissenschaftsorganisator bilden die Überleitung zum zweiten Teil der Arbeit. Dieser stellt zwar nicht den Anspruch, Lechners breites wissenschaftliches Œuvre zur Gänze zu analysieren und zu bewerten, dennoch möchte er Impulse dazu liefern. Die historiografische Analyse Lechners als „Begründer der mediävistischen Regionalforschung in Niederösterreich“ versteht sich als ein erster Baustein dafür. I.2 Herkunft und Ausbildung Karl Lechner stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Am 6. Mai 1897 als erster Sohn eines Wagnermeisters in Wien geboren, besuchte er eine fünfklassige Volksschule und wech- 5 Helmuth Feigl, Die Bedeutung Karl Lechners für die niederösterreichische Landesgeschichtsforschung und die Methodik der historischen Wissenschaften, in : Unsere Heimat. Zs. für Landeskunde von Niederösterreich (= UH) 46 (1975) 213–217, hier 213. 6 Günter Fellner, Die österreichische Geschichtswissenschaft vom „Anschluß“ zum Wiederaufbau, in : Kon- tinuität und Bruch 1938–1945–1955. Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, hg. v. Friedrich Stadler (Wien/München 1988) 135–155, hier 135.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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