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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 526 -
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Seite - 526 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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526 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Freunde kennen ; ein weiterer Kurskollege und Lechner seither gleichfalls freundschaftlich verbunden war Leo Santifaller, später Universitätsprofessor für mittelalterliche Geschichte und Hilfswissenschaften sowie ab 1945 Leiter des IÖG und Direktor des ÖStA12. 1921 beendete Lechner diesen Institutskurs mit sehr befriedigendem Erfolg. Seine schriftliche Arbeit „Zur Geschichte der Besiedelung und der Grundbesitzverteilung des niederösterrei- chischen Waldviertels“ wurde von Dopsch und Redlich mit vorzüglich bewertet13. Am 16. Mai 1923 trat Lechner in das NÖLA ein. Er sollte dort bis zu seiner Pensionierung Ende 1962 Dienst versehen. Bei seiner Anstellung genoss er die Unterstützung seines Lehrers Redlich, der zum damaligen Archiv- und Bibliotheksdirektor Max Vancsa in freundschaft- lichen Beziehungen stand14. I.3 Das Netzwerk des (reform-)katholischen Milieus – der Bund „Neuland“ Lechners wissenschaftliches Werk wie sein ganzes Leben war eingebettet in den meta- physischen Rahmen seines katholischen Weltbildes. „Niemand glaubt heute ernstlich mehr, daß Wissenschaft und Religion im Widerspruch stehen. Denn ernstes Streben nach Wahrheit muß zum Mittelpunkt und zum Quell der Wahrheit führen, zu Gott !“, pos- tulierte der jugendbewegte Jung-Wissenschaftler 1923 in der Zeitschrift der katholisch- deutschen Akademikerschaft Österreichs15. Dem katholischen Akademiker wies Lechner gesellschaftliche Aufgaben, ja Verpflichtungen zu. Dessen Mission sah er in der morali- schen Vorbildfunktion im Sinne eines „positiven Tatchristentums“, und die vordringlichs- ten Aufgaben erblickte er in der sozialen wie auch in der „völkischen Arbeit“16. Lechners Gesellschaftsbild war religiös geprägt und wies „ständische“ Züge auf. Es orientierte sich an seinem Bild von der Kirche. Die Menschen seien allesamt Glieder eines Leibes – und zwar des „corpus Christi mysticum“ – und jedes Glied habe die ihm zugedachte Funktion bestmöglich zu erfüllen17. In der „organisch-ganzheitlichen Einheit des Urchristentums“ sah er daher wohl auch sein ideales Gesellschaftsmodell, das im Mit- telalter wieder in Erscheinung getreten, danach aber verloren gegangen sei, und nach dem 12 Zu Klebel siehe den Beitrag von Wolfram Ziegler in diesem Band, zu Santifaller siehe Hannes Obermair, Leo Santifaller (1890–1974). Von Archiven, Domkapiteln und Biografien, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 8) 597–617. 13 NÖLA, NL KL, K. I, Mappe 1, Prüfungszeugnis des IÖG vom 07.07.1921. 14 Pittioni, Lechner (wie Anm. 8) 584–594, hier 585. 15 Karl Lechner, Die Korporation Arbeits-, Erziehungs- und Lebensgemeinschaft, in : Unser Weg. Blätter für zeitgerechtes Studententum 5 (September/Oktober 1923) 133–138, hier 133. 16 Ebd. 136f. 17 Karl Lechner, Pfarre und Heimat, in : Heimat-Jb. Mauer bei Wien 10 (1933) 3–5, hier 3.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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