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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 527 -
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Karl Lechner (1897–1975) 527 sich seiner Ansicht nach nun wieder „ein so großes Sehnen“ zeige18. Die „Zerrissenheit und Trennung unserer Lebensäußerungen“, die „Isolierung und Individualisierung“ sollte nach Lechner wieder „jener mittelalterlichen Einheit des Lebens, der Einheit von Kultur und Religion […], dem Willen zur Ganzheit, zur Synthese weichen“19. Großen Einfluss auf Lechners Denken übte auch die Gegensatzlehre des in Deutschland wirkenden Ju- gendseelsorgers und Religionsphilosophen Romano Guardini aus. Lechner war zwar gegen Ende seines Studiums, 1920, einer Verbindung des katho- lischen Cartellverbandes (= CV) namens „Kürnberg“ beigetreten20, doch erschien ihm das katholische Farbstudententum schon bald als „Form ohne Inhalt“21. Ohne mit dem CV je offen zu brechen, zog es ihn schon sehr früh hin zur bündischen Jugend und zur katholischen Laienbewegung. Lechner zählte in der Zwischenkriegszeit zu den führenden Propagandisten einer innerkirchlichen Erneuerungsbewegung, die Teilen der Amtskirche wie auch der Christlichsozialen Partei durchaus kritisch gegenüberstand. Er wurde ein profiliertes Mitglied des Bundes mit dem programmatischen Namen „Neuland“22. In die- ser „große[n] Ideen-, Werk- und Gebetsgemeinschaft“ lernte er nicht nur seine zukünftige Ehefrau Helga Kolisko kennen23, sondern auch viele künftige Freunde und andere Perso- nen, mit denen er später immer wieder zusammentreffen sollte. Entstanden im Umfeld der bündischen Jugendbewegung, war der Bund „Neuland“ 1921 aus den älteren Mitgliedern des „Christlich-deutschen Studentenbundes“ hervor- gegangen. Er wurde von den charismatischen jungen Priestern Karl Rudolf und Michael Pfliegler geleitet24, und Lechner war von Beginn an in dieser Bewegung aktiv. Gemeinsam mit Pfliegler und einem weiteren Laien gab Lechner sogar das tägliche Gebetbuch von „Neuland“ heraus25, in den Zeitschriften des Bundes zählte er zu den produktivsten Auto- 18 Karl Lechner, Unsere Stellung zur Liturgie, in : Neuland. Blätter jungkatholischer Erneuerungsbewegung 1 (Allerseelenmond 1923) 32–36, hier 34. 19 Ebd. 35. 20 Amt der niederösterreichischen Landesregierung, LAD2, PA Karl Lechner (= ANÖLR, PA KL), Fragebogen vom 29.09.1938. 21 Karl Lechner, Neuland und Neustudententum. Gedanken dazu von einem CVer, der Neuländer ist, in : Neuland. Blätter jungkatholischer Erneuerungsbewegung 1 (Hornung 1924) 97–101, hier 100. 22 Franz M. Kapfhammer, Neuland. Erlebnis einer Jugendbewegung (Graz/Wien/Köln 1987) 202f. 23 Lechner, Neuland (wie Anm. 21) 99. 24 Klaus Breuning, Die Vision des Reiches. Deutscher Katholizismus zwischen Demokratie und Diktatur (1929–1934) (München 1969) 94 ; detailliert zum Bund Neuland siehe Gerhard Seewann, Österreichi- sche Jugendbewegung 1900 bis 1938. Die Entstehung der Deutschen Jugendbewegung in Österreich-Ungarn 1900 bis 1914 und die Fortsetzung in ihrem katholischen Zweig „Bund Neuland“ von 1918 bis 1938 1–2 (Frankfurt/M. 1971) ; zum Christlich-deutschen Studentenbund siehe neben Seewann 1, 163–194, Otto Krammer, Der Christlich-Deutsche Studentenbund (C.D.S.B.) (Miscellanea aus dem Kirchenhistorischen Institut der Katholisch-theologischen Fakultät 41, Wien 1973). 25 Franz Maria Kapfhammer, Die katholische Jugendbewegung, in : Kirche in Österreich 1918–1965 2, hg.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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