Seite - 533 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Karl Lechner (1897–1975) 533
In dem langen Artikel nahm Riedl für
sich in Anspruch, für die „junge katholi-
sche deutsche Generation in Österreich“
zu sprechen59. Deren Grundhaltung sei
„entschieden katholisch, unwandel-
bar deutsch und eindeutig konser-
vativ“. Die Quellen ihrer Haltung seien
Gott, Heimat und Volk. Am Beispiel der
beiden Kaiserkronen in der Wiener Schatz-
kammer – die Kaiserkrone des „Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation“ und
die habsburgische Krone der österreichisch-
ungarischen Monarchie – erläuterte Riedl
die „doppelte […] und zwiespältige
[…] Tradition Oesterreichs“, um dann
fortzufahren, dass sich die junge katholi-
sche Generation „rückhaltlos zum deut-
schen Volk und zu einer gesamtdeutschen
Gestaltung“ bekenne, in der „Oesterreich,
seinen besonderen Aufgaben entsprechend,
eine eigenrechtliche autonome Stellung“ in-
nehabe. Die besondere Aufgabe Österreichs
bestehe in der „Bewahrung und Verwirkli-
chung der elfhundertjährigen österreichi-
schen Sendung : der Einigung der Staaten- und Völkerwelt zwischen Nord- und Südmeer
in einem föderalen Mitteleuropa unter deutscher Führung“. Die „Pariser Friedensdiktate“
lehne man freilich ab. Unter „Volk“ verstehe man „Gemeinschaft des Geistes und Schick-
sals, aber auch des Blutes. Freilich, Ableitung des Volkstums aus Blut und Rasse
allein erscheint – als Materialismus – der Jugend falsch. Das Judentum ist nach
Art und Geist ein Fremdkörper und sein übermäßiger Einfluß ist mit allen Mitteln [!] zu be-
kämpfen und besonders auf kulturellem Gebiet ganz zu beseitigen“. Im reformbedürftigen
Schulwesen hielt man u. a. die „Aktivierung der Kulturarbeit für das Auslanddeutschtum
und gegen Südosten“ für besonders erforderlich, und ihr staatliches Ideal erblicke die junge
katholische Generation im „wahren“, ständisch gegliederten „Volksstaat, im autoritären
Staat, der den göttlichen Ordnungswillen im menschlichen Bereich verwirklicht“. Den
„Parteienstaat“ lehne sie ebenso ab wie das „gegenwärtige […] atomistische […], demokra-
59 Reichspost (09.06.1932) 13f., dort auch die folgenden Zitate.
Abb. 34 : Titelseite der Publikation „Katholischer
Glaube und Deutsches Volkstum in Österreich, hg. v.
volksdeutschen Arbeitskreis österreichischer Katholiken
(Salzburg 1933)“
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien