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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 534 -
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534 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer tische […] System“. Solange aber der Parteienstaat noch existiere, sei zu verhüten, dass Kir- che und politisches Parteiwesen verwechselt würden. Ein Bekenntnis zu „grundstürzender, vorbehaltloser sozialer Reform“, ohne die jede Forderung nach „organischer Volksgemein- schaft“ sinnlos sei, rundete das Programm ab. Antiparlamentarismus, Antiliberalismus, Antimarxismus und Antisemitismus, Stän- deordnung, soziales Engagement und hegemoniales Gesamtdeutschtum in Mitteleuropa bildeten also den Referenzrahmen dieser katholischen und betont deutschnationalen Gruppe ; Ideologeme, die zumindest überwiegend auch in den Schriften Lechners auf- tauchten, jedenfalls aber sein engeres politisches Umfeld charakterisierten. Nach dem Zeugnis des Srbik-Schülers und „Neuland“ nahestehenden Adam Wandruszka60 sei diese Gruppe 1932 auch hinter der Herausgabe des Sammelbandes „Bekenntnis zu Österreich“ gestanden61. Der Titel war freilich irreführend, denn das Motto der Bekenner lautete „Deutschland, Deutschland über alles !“.62 Der Band war anlässlich der „Sternfahrt deut- scher Jugend“ zum Grab des „Schöpfers des Deutschlandliedes“ Josef Haydn erschienen und firmierte laut Wandruszka als „Vorläufer“ der Publikationen „Katholischer Glaube und Deutsches Volkstum in Österreich“ (1933) wie auch des Nadler-Srbik-Werkes „Ös- terreich. Erbe und Sendung im deutschen Raum“ (1936)63, die gleichfalls von der katho- lisch-deutschnationalen Gruppe von CVern und „Neuländern“ angeregt worden waren64. Anders als Lorenz, der in allen drei Büchern vertreten war, fungierte Lechner nur in den beiden letzteren Werken als Autor. Der Band mit dem programmatischen Titel „Katholischer Glaube und Deutsches Volks- tum in Österreich“ war vom erwähnten „Volksdeutschen Arbeitskreis österreichischer Ka- tholiken“ anlässlich des Allgemeinen deutschen Katholikentages in Wien im September 60 Fritz Fellner bezeichnete den Neuland-Führer Michael Pfliegler als Lehrer und Mentor Wandruszkas. Adam Wandruszka wirkte überdies – wie auch Lechner und Böhm – 1961 an der FS für Pfliegler mit. Fritz Fell- ner, Adam Wandruszka – Erlebte Geschichte, in : ders., Geschichtsschreibung und nationale Identität. Pro- bleme und Leistungen der österreichischen Geschichtswissenschaft (Wien/Köln/Weimar 2002) 375–384, hier 375 ; Custos quid de nocte ? Österreichisches Geistesleben seit der Jahrhundertwende, hg. v. Karl Rudolf, Leopold Lentner (Wien 1961) 1–6. 61 Adam Wandruszka, Österreichs politische Struktur. Die Entwicklung der Parteien und politischen Bewe- gungen, in : Geschichte der Republik Österreich, hg. v. Heinrich Benedikt (Wien 1954) 289–485, hier 411 ; Bekenntnis zu Österreich, hg. v. Friedrich Heiss, A. Hillen Ziegfeld (Berlin 1932). Als Autoren fungierten Böhm, Lorenz, Riedl, Veiter, Otto Brunner, Fritz Flor, Emil Mika, Hermann Neubacher und Konrad Pfitzner. 62 Bekenntnis (wie Anm. 61) VIII ; vgl. auch Fellner, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 6) 144. 63 Wandruszka, Struktur (wie Anm. 61) 411–412. 64 Das bestätigten auch Borodajkewycz, Böhm und Riedl Ende der 1970er-Jahre gegenüber dem Germanisten Sebastian Meissl ; siehe dazu Gernot Heiss, Im „Reich der Unbegreiflichkeiten“, in : ÖZG 7 (1996) 455–478, hier 460, 464 ; vgl. auch Erika Weinzierl, Prüfstand. Österreichs Katholiken und der Nationalsozialismus. Unter Mitwirkung von Ursula Schulmeister (Mödling 1988) 71.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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