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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 537 -
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Seite - 537 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Karl Lechner (1897–1975) 537 unseres deutschen Volkes bis vor kurzem noch von Juden umgarnt wurden, oder sich, wie man es zu Zeiten feindlicher Besetzung großer Teile des deutschen Landes sehen konnte, mit Angehörigen der schwarzen Rasse eingelassen haben. So wird man also mit Recht auch nachforschen dürfen, ob sich etwa jüdisches Blut unter den Vorfahren des erwählten Lebensgefährten findet.“ Der bekannte, 1936 publizierte Sammelband „Österreich. Erbe und Sendung im deut- schen Raum“ wurde gleichfalls von der erwähnten katholisch-deutschnationalen Gruppe rechtsgerichteter CVer und „Neuländer“ initiiert und von Nadler und Srbik herausge- geben75. In seinem Beitrag sprach Lechner primär als Historiker76. Er präsentierte sich – ebenso wie die meisten Autoren des Bandes – als Vertreter der „gesamtdeutschen Ge- schichtsauffassung“ und wurde in den Rezensionsjournalen NS-Deutschlands auch ent- sprechend gefeiert77. Der Band wurde allerdings auch in Österreich ein Bestseller und in regimeloyalen Kreisen lobend besprochen. In einer grundsätzlich sehr positiven Re- zension in der Reichspost gab es aber auch Kritik : Sie richtete sich allein gegen den Text Lechners und zielte auf ideologische Gesichtspunkte ab. Der Rezensent billigte Lechner durchaus Kenntnisreichtum zu, monierte aber, dass der Beitrag an Überzeugungskraft nur gewonnen hätte, wenn er auf „jede Polemik gegen die großösterreichische Betrach- tungsweise der Probleme und [gegen ; Anm. S.E.] die Resultate der urgeschichtlichen Forschung verzichtet und gewisse allzu deutschtümelnde Phrasen, die überdies in einer streng wissenschaftlichen Abhandlung schlecht am Platze sind, vermieden hätte“78. Tatsächlich hatte sich Lechner vor allem gegen Ende seines Aufsatzes zu begeisterten Bekenntnissen zum Deutschtum hinreißen lassen, und es waren denn auch diese Wen- dungen, auf die in den Rezensionen NS-Deutschlands immer wieder hingewiesen wurde : „Aber lebendiges deutsches Volkstum war der Mutterboden, aus dem jene geistigen und kulturellen Schöpfungen flossen, und je mehr politisch die österreichischen Länder vom Reiche abgedrängt wurden und sich nach Osten richteten, desto tiefer wurde jenes er- kannt. Denn seinen letzten geschichtlichen Sinn empfängt dieses Land nur als Glied eines größeren Ganzen.“79 75 Heiss, Reich (wie Anm. 64) 460, 464. 76 Karl Lechner, Besiedlung und Volkstum der österreichischen Länder, in : Österreich. Erbe und Sendung im deutschen Raum, hg. v. Josef Nadler, Heinrich von Srbik (Salzburg/Leipzig 1936) 21–42 ; auch bei den anderen Autoren des Bandes handelte es sich um Wissenschaftler : Bauer, Bittner, Borodajkewycz, Brunner, Glaise-Horstenau, Hirsch, Lorenz, Nadler, Srbik, Karl Braunias, Rudolf Egger, Heinrich Kretschmayr, Paul Müller, Leopold Nowak und Hans Sedlmayr. 77 Karl G. Hugelmann in : ZBLG 10 (1937) 438–439 ; W[ilhelm] Schüssler in : HZ 157 (1938) 377. 78 Reichspost (28.06.1936) 19f., hier 19. Rezensent war der St. Pöltener Prälat und Religionslehrer Johann Triebl. 79 Lechner, Besiedlung (wie Anm. 76) 42.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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