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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 538 -
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Seite - 538 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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538 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Ganz in der Tradition der gesamtdeutschen Geschichtsauffassung erfüllte sich für Lech- ner „der Sinn neuerer landesgeschichtlicher Forschung in der Herausstellung der deutschen geschichtlichen Landschaft als Glied am gesamtdeutschen Volks- und Kulturboden“80, und „rückschauend auf das Werden des deutschen Volkstums in unseren Landen“ ver- meinte er schon im Hochmittelalter ein fertig ausgebildetes deutsches Nationalgefühl in Österreich erkennen zu können : „[…] aus dem altgermanischen Stammesgefühl beginnt sich im ostfränkischen Reich – im Gegensatz zu dem stark romanisierten westfränkischen Reich – und mit Dienstbarmachung keltischer und slawischer Kulturelemente ein neues ‚Volks‘-Gefühl zu bilden, ein deutsches Nationalgefühl, das zur Zeit des Investiturstreites, um 1100, uns fertig entgegentritt.“81 Diesen emphatischen Bekenntnissen zum deutschen Volkstum widersprach allerdings nicht, dass Lechner in dem gleichen Text auch eine „Arteigenheit“ und Besonderheit des „österreichischen Deutschtums“ postulierte. Er verwies sogar auf eine, wenn auch seiner Ansicht nach nicht überzubewertende, „bluts- und rassenmäßige“ Besonderheit des öster- reichischen Deutschtums : „Dieses Land aber im Südosten ist deutsches Land, es ist altes deutsches Volkstum, das es erfüllt. Freilich, entsprechend der Umwelt (Gebirgsland ge- genüber der Hochebene !), der bluts- und rassenmäßigen Zusammensetzung (deren Son- derbedeutung gegenüber dem benachbarten bayrischen Altland aber nicht überschätzt werden darf, wenngleich andererseits neuere anthropologische Forschung bis in die urge- schichtliche Zeit zu schließen versucht), dem geschichtlichen Aufbau und der geschicht- lichen Sendung und endlich entsprechend der staatlichen dynastischen Formung ist es von besonderer Stammesprägung. Deutsches Grenzland ist es und darum allen Einflüssen ringsum in verstärktem Maße ausgesetzt und offen ; aber nicht nur in der Abwehr, mehr noch in der Vermittlung liegt seine Aufgabe. Dabei aber und gerade deswegen ist es erfüllt von besonders eigenständigem, quellendem Leben.“82 Obwohl als Gegenentwurf zu „vaterländisch-kleinösterreichischen“ Geschichtskonstruk- tionen á la Ernst Karl Winter und Konrad Josef Heilig gedacht83, zeigte der Sammelband und mit ihm Lechners Text doch auch gewisse Ähnlichkeiten zwischen der regimekonformen und der oppositionellen katholisch-deutschnationalen Geschichtsdeutung auf. Die Grenzen erwiesen sich hier mitunter als schwer zu ziehen ; der Grat zwischen Loyalität und Dissidenz war schmal. Die „ständestaatliche“ Konzeption des „österreichischen Menschen“ als bes- seren Deutschen84 und Lechners gesamtdeutsch-föderalistisch-„stammesgeschichtlicher“ 80 Ebd. 39. 81 Ebd. 41. 82 Ebd. 83 Heiss, Reich (wie Anm. 64) 464. Zu Heilig siehe den Beitrag von Helmut Maurer in diesem Band. 84 Staudinger, „Österreich“-Ideologie (wie Anm. 54) 48.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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