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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 542 -
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542 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer wiederherzustellenden „Schicksalsgemeinschaft und Willenseinheit“ des deutschen Vol- kes ;114 in der Kulturraumforschung Aubins galt sie als Voraussetzung, „hinweg über alle Territorial- und modernen Verwaltungsgrenzen, das Bild der historischen Landschaften als organischen Unterbau einer Geschichte des deutschen Volkes gewinnen“ zu können115. Wenn sich auch dieser volksgeschichtliche Zug der Landesgeschichte zumindest unter rassistischen Vorzeichen in den Publikationen des VfLKNÖ selten niederschlug, verstan- den auch Lechner und sein Lehrer Redlich die Landeskunde als „nationale Pflicht“116. Den Festvortrag anlässlich der Feier des 60-jährigen Bestandes des VfLKNÖ 1924 schloss Redlich denn auch mit den Worten : „Denn die Pflege, die Kunde, die Wissenschaft von Heimat und Volk sind nicht toter Wissenskram, nicht antiquarische Liebhaberei, sondern eine nationale Pflicht, eine Bürgschaft der Liebe und Treue zur Heimat und zu unserem deutschen Volke.“117 Unter der Ägide Lechners, der auch als Schriftleiter sämtlicher Vereinspublikationen firmierte, wurden die Kontakte mit landesgeschichtlichen Vereinen in Deutschland inten- siviert. Bereits 1903 war der VfLKNÖ Mitglied des „Gesamtvereins der deutschen Ge- schichts- und Altertumsvereine“ geworden118, und seit den 1920er-Jahren war es zumeist Lechner, der an den Versammlungen des „Gesamtvereins“ in Deutschland teilnahm119. Zum einen zeigte sich hier sein wissenschaftliches Verständnis von Landeskunde, das den Blick auf kleine Regionen nicht als Selbstzweck, sondern stets in Bezug auf die allgemeine Geschichte pflegte und für den überregionalen Vergleich offen war. Zum anderen verwies diese exklusiv mit deutschen landeskundlichen Organisationen betriebene Kontaktpflege auf Lechners „gesamtdeutsche“ Orientierung. In den 1930er-Jahren wurden denn auch die Kontakte zum „Gesamtverein“ wie zu den „sudetendeutschen“ landeskundlichen Ver- einigungen zunehmend enger120. Generell hatte der Ende der 1920er-Jahre einsetzende Generationswechsel die deutschnationalen Tendenzen im Verein für Landeskunde be- fördert. Neben Lechner sind hier die „Alten Kämpfer“ der NSDAP Hans Wolf121 und 114 Kötzschke, Nationalgeschichte (wie Anm. 112) 17. 115 Aubin, Aufgaben (wie Anm. 108) 44–45. 116 Zu Redlich als „meinungsbildender Exponent des historiographisch unterstützten ‚volksdeutschen‘ Denkens vor 1918“ siehe Willi Oberkrome, Volksgeschichte. Methodische Innovation und völkische Ideologisie- rung in der deutschen Geschichtswissenschaft 1918–1945 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 101, Göttingen 1993) 49 ; zur Haltung Lechners siehe Lechner, Redlich (wie Anm. 111) 209. 117 Oswald Redlich, Landeskunde und Geschichtswissenschaft, in : JbLKNÖ NF 19 (1924) 1–9, hier 9. 118 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 188. 119 Ebd. 178 ; Lechner war schon Mitte der 1920er-Jahre ein eifriger Besucher dieser Versammlungen und dort u.a. auch mit Kötzschke enger bekannt geworden ; NÖLA, NL KL, K. I, Mappe I/3, Korrespondenz K und L, Schreiben Kötzschke an Lechner vom 28.01.1926 und vom 16.09.1926. 120 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 184. 121 Hans Wolf, Gymnasialprofessor für Geschichte und Geografie, war der NSDAP schon im August 1931 bei-
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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