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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 543 -
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Seite - 543 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Karl Lechner (1897–1975) 543 Steinhauser122 sowie der schon 1934 verstorbene Burschenschafter Stowasser zu nennen und freilich auch Klebel, dem 1934 wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus die Lehr- befugnis entzogen wurde123. 1931 avancierte überdies Lechners direkter Vorgesetzter, der Burschenschafter und Naturwissenschaftler Günther Schlesinger, zum zweiten Vizepräsi- denten des Vereins124, und im gleichen Jahr wurde der nach Wien zurückgekehrte Geo- graf und Leiter der Südostdeutschen Forschungsgemeinschaft (SODFG) Hassinger in den Ausschuss gewählt125. Wie seine Freunde Klebel und Vancsa126 stand Lechner der Regierungsdiktatur von Doll- fuß und Schuschnigg kritisch, ja ablehnend gegenüber127. In augenfälligem Unterschied zur Begeisterung beim „Anschluss“ 1938 wurde die Etablierung des „christlichen Ständestaates“ 1934 im Monatsblatt des VfLKNÖ weitgehend ignoriert. Noch 1964 beschrieb Lechner die Machtübernahme des Regimes Dollfuß mit düsteren Metaphern – „am Horizont [zeigten sich ; Anm. S.E.] dunkle Wolken“ –, während der „Anschluss“ weitgehend wertfrei dar- gestellt wurde128. Als öffentlich Bediensteter vermochte Lechner seine oppositionelle Hal- tung freilich nur sehr vorsichtig zum Ausdruck zu bringen. Neben seiner verschlüsselten Kritik an Christlichsozialer Partei und VF 1933 kann hier auch sein verhältnismäßig später getreten und fungierte bis 1934 in Weidling bei Klosterneuburg als Organisationsleiter, dann als Ortsgrup- penleiter der NSDAP, später übte er auch in der Phase der Illegalität der NSDAP Parteiämter aus. ÖStA/ AdR, GA, Zl. 28.177, Hans Wolf, Personal-Fragebogen vom 15.05.1938. 122 Walter Steinhauser, 1927 für „Germanische Sprachgeschichte und Altertumskunde“ in Wien habilitiert und seit 1934 Professor in diesem Fach, war der NSDAP im April 1932 beigetreten. Er konnte bei seinem Partei- beitritt auf einen geradezu idealtypischen „deutsch-völkischen“ Lebenslauf verweisen. ÖStA/AdR, GA, Zl. 75.067, Personal-Fragebogen vom 20.05.1938 ; zu Steinhauser siehe auch Sebastian Meissl, Wiener Ost- mark-Germanistik, in : Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938–1945, hg. v. dems., Gernot Heiss, Siegfried Mattl, Edith Saurer, Karl Stuhlpfarrer (Österreichische Texte zur Gesellschaftskri- tik 43, Wien 1989) 133–155, hier 140f. 123 ÖStA/AdR, GA, Zl. 239.813, Ernst Klebel, Personal-Fragebogen vom 27.06.1938. 124 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 180. 125 Ebd. 181. 126 Noch am 11.10.1946 bezeichnete sich Vancsa als Gegner der Regierung Schuschnigg. NÖLA, NS-Fragebö- gen, Konrad [recte : Kurt] Vancsa. 127 Diese Haltung kam noch 1964 in der FS des VfLKNÖ deutlich zum Ausdruck : „Die Hoffnung, daß etwa der seit 1933/34 so stark propagierte Gedanke des Vaterlandes einem Verein, der seit seiner Gründung Hei- mat und Vaterland, in Kenntnis und Liebe, auf seine Fahnen geschrieben hat, förderlich (auch im Finan- ziellen) sein könnte, erwies sich als trügerisch ! Das militante Moment war stärker als das kulturelle und volksbildnerische. […] Und das Denken in ‚Fronten‘ war einer gemeinschafts- und ganzheitsverbundenen ‚totalisierenden‘ (nicht ‚totalitären‘ !) Schau von Land und Leuten nicht günstig ! Der Gedanke, ja selbst das Wort ‚Heimatschutz‘, das der Verein in seinem Titel trug, aber war usurpiert von einer quasi-militärischen ‚Formation‘. Bestrebungen, hier zu einer einverständlichen ‚Sprachregelung‘ zu kommen, mußten fehlschla- gen !“ Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 182. 128 Ebd. 182, 185.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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