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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 546 -
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546 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Karfreitag 1938 dokumentierte die Haltung dieser Gruppe recht deutlich : Abrechnung mit dem vergangenen Regime, Vereinnahmung der österreichischen Bevölkerung für den Natio- nalsozialismus und Plädoyer für eine „Aussöhnung“ des Katholizismus mit dem Nationalso- zialismus als wichtigste Überlebensbedingung der Kirche im neuen Staat. In dem Schreiben hieß es : Die katholische Kirche hat sich in den vergangenen Jahren in Oesterreich weitgehend mit einem politischen Regime identifiziert, das unter der Flagge eines katholischen Regimes namenlo- ses Leid über das Land gebracht hat. Infolge der brutalen Unterdrückung des, wie sich nun zeigt, in seiner erdrückenden Mehrheit nationalsozialistisch eingestellten Volkes ist in diesem eine Erbit- terung grossgezogen worden, die sich unter geschilderten Umständen auch gegen die Kirche und die Geistlichen richten musste. Zehntausende und Aberzehntausende haben seinerzeit den Vorsatz gefasst am ersten Tag der Befreiung durch den Austritt aus der Kirche, dieser die Quittung für das erlittene Leid zu erteilen. Diese Vorsätze sind unerfüllt geblieben, weil […] die Handlungen Euer Eminenz den Zorn der nationalen Massen entwaffneten […]. In dem Augenblick, da sich die Kirche gegen den neuen Staat stellt, wird in den Augen der Bevölkerung der zum Verrä- ter, der die Partei der Kirche ergreift. […] Mit mindestens demselben Recht, mit dem die französischen Katholiken sich mit der Regierung des Gottesleugners Leon Blum gut stellen dürfen, können wir österreichischen Katholiken einen tiefgläubigen Adolf Hitler unterstützen, der durch Taten christlicher Barmherzigkeit mehr Menschen mit Gott versöhnt hat, als in Frankreich mit Streik und Klassenhass dem Satan in die Hände getrieben werden !143 Lechner zeigte sich damals vom barmherzigen Wirken eines „tiefgläubigen Adolf Hit- ler“ überzeugt. Zumindest zu Beginn der NS-Herrschaft in Österreich unterzeichnete er auch private Korrespondenz mit Heil Hitler144, und bald nach dem „Anschluss“ stellte er sich auch in den Dienst der nunmehr nationalsozialistisch ausgerichteten Volksbildung. Im WS 1938/1939 wirkte auch er an der Erziehungs- und Bildungsarbeit des Deutschen Volksbildungswerkes Gau Wien mit145. Lechner konnte dabei offenbar an seine bereits 1935 publizierten Überlegungen zu Eugenik und Familienkunde anknüpfen, denn sein Kurs in der Wiener Urania wurde im Rahmen des Generalthemas „Gesundes Volk“ an- gekündigt. Neben Rassekundlern wie Eberhard Geyer146 und Karl Tuppa147 oder auch dem späteren „Euthanasiearzt“ an der Kindertötungsanstalt „Am Steinhof“, Erwin Je- 143 Dieses Schreiben findet sich als Faksimile in Maximilian Liebmann, Theodor Innitzer und der Anschluß. Österreichs Kirche 1938 (Graz/Wien/Köln 1988) 140f. 144 NÖLA, NL Ernst Klebel (= NÖLA NL EK), K. III, Mappe III/2, Korrespondenz Lechner. 145 NÖLA, NL KL, K. I, Mappe I/1, Schreiben Deutsches Volksbildungswerk, Gau Wien, Dr. F. Richter an die Mitarbeiter vom 16.09.1938. 146 Zu ihm ÖBL 1, 433f. 147 Der Anthropologe Tuppa veröffentlichte in der vom Gaupresseamt Niederdonau der NSDAP herausgege- benen Schriftenreihe auch eine rassekundliche Untersuchung über Niederdonau. Karl Tuppa, Rassenkunde von Niederdonau (Niederdonau, Ahnengau des Führers 22, St. Pölten o.J.).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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