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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 553 -
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Karl Lechner (1897–1975) 553 zeigt wurde, weit überwiegend im Rahmen eines politisch und/oder historisch fundierten Volksbegriffes und im Kontext einer dem entsprechenden „Kulturbodenforschung“, wie sie auch in anderen europäischen Staaten betrieben wurde. Die gleichwohl in manchen seiner Arbeiten zu findenden Bezugnahmen auf „Volkskörperforschung“ und Rassen- kunde wirken eher schematisch und additiv. Zu grob dürften ihm die Kategorien der Volksgeschichte, und analytisch wenig weiterführend mochten ihm die rassenkundlichen Typologien erschienen sein. In seinem groß angelegten Literaturbericht zur siedlungs- kundlichen Forschung in Österreich verwies er unter anderem zwar auf das „große Werk“ Helboks – „Grundlagen der Volksgeschichte Deutschlands und Frankreichs“ – und kon- zedierte diesem eine „Reihe von wertvollen methodischen Anregungen“181. Gleichzeitig monierte er aber „den Mangel einer intensiven Einzelforschung“182. Gegen Ende dieser Untersuchung widmete Lechner auch der Rassekunde einen kurzen Absatz. Dabei wies er gleich einleitend darauf hin, dass man „ohne genaue siedlungsgeschichtliche Untersu- chungen, die sich auch in die Zeit vor der deutschen Landnahme zu erstrecken haben“, zu „keinem klaren Bild kommen werde“183. Nach der Referierung einiger rassekundlicher Arbeiten kam er zu dem Schluss, „daß mit diesen großen Gruppen der Besiedlungsge- schichte nicht viel gedient ist und forderte von dieser Disziplin weitere Aufgliederun- gen nach sog. ‚Gauschlägen‘ […] sowie Untersuchungen über Auslese und ihre Ursachen usw.“ ; auch seien jüngere Zuwanderungen zu untersuchen184. Darüber hinaus wies Lechners wissenschaftliches Werk auch nach der Zäsur 1938 keine signifikanten inhaltlichen oder thematischen Änderungen oder nennenswerte politisch motivierte Anpassungen auf. In seinem Beitrag im „Anschlussband“ des JbLKNÖ von 1938 hielt er gleich eingangs am Vorrang „einer systematisch aufgebauten Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte“ fest und legte klar : „Auch die Anerkennung der grund- legenden Funktion von Blut und Boden kann praktische Bedeutung für die geschichtliche Forschung nur dann gewinnen, wenn ausgegangen wird von den Gemeinschaften, in de- nen der Mensch, vor allem der bäuerliche Mensch steht, wieder also von der Herrschaft, als Grund-, bzw. Orts- (Dorf-), Vogtei- und Gerichtsherrschaft, und Pfarre.“185 (von Nöchling bis Theben) 1920–1938 (Deutsche Schriften zur Landes- und Volksforschung 4, Leipzig 1940). 181 Karl Lechner, Leistungen und Aufgaben siedlungskundlicher Forschung in den österreichischen Ländern mit besonderer Berücksichtigung von Niederdonau, in : DALV 4 (Dezember 1940) 494–546, hier 500. 182 Ebd. 183 Ebd. 543. 184 Ebd. 185 Karl Lechner, Die geschichtliche Landschaft zwischen Donau und Wagram. Ein Beitrag zur Geschichte niederösterreichischer Herrschaften, in : JbLkNÖ NF 27 (1938) 30–70, hier 30.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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