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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 558 -
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558 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Bruchs und vor dem Hintergrund von Entnazifizierung und Statusunsicherheit kann die- ses Neben- und Ineinander von politisch „Belasteten“ und „Unbelasteten“, von „Tätern“ und „Opfern“, von „Deutschnationalen“ und „Österreichern“ sowie die Verquickung der unterschiedlichen Freundeskreise Lechners im Sinne der Stiftung von Kontinuität und Stabilität interpretiert werden, gleichsam als „Versöhnung“ von Vergangenheit und Gegenwart. Eine Folge dieser „Glättung“ von Widersprüchlichem war freilich, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ursachen und Ausmaß der Verstrickung von Wissen- schaft und Bürokratie in den Nationalsozialismus nicht stattfand. Von Lechner ist eine Reflexion über derartige Fragen nicht bekannt. Die Entnazifizierung empfand Lechner als bloße Schikane. Sie führte bei ihm kei- neswegs zu der politisch intendierten selbstkritischen Analyse des eigenen Verhaltens in einem arbeitsteilig organisierten Terrorregime ; im Gegenteil – Lechner sah sich eher selbst als Opfer und wollte darin ausschließlich böswillige und gegen ihn persönlich gerich- tete Motive erkennen. Noch viele Jahre später setzte er Maßnahmen der Entnazifizie- rung kurzerhand mit der menschenverachtenden Politik der Nationalsozialisten gleich214. Charakteristisch für seine Haltung in dieser Frage war auch der Rat, den er dem nach Deutschland geflohenen Klebel erteilte. Da Klebel damals Schwierigkeiten hatte, eine adäquate Beschäftigung zu finden, fragte ihn Lechner, ob er nicht mit einem der nieder- österreichischen Stiftsäbte bekannt gewesen sei ; denn zumindest in Oberösterreich habe fast jedes Kloster seinen ‚Hausn..i‘ als Archivar u. Bibliothekar etz.215. I.11 Amtliche und wissenschaftliche Karriere nach 1945 Ende 1947 wurde Lechner aus den NS-Registrierungslisten gestrichen216. Die politischen Probleme von NS- und Nachkriegszeit konnte er dadurch endgültig abschütteln ; einzig die Spannungen zum gerade im niederösterreichischen Landesdienst nach 1945 kräftig aufstrebenden CV blieben bestehen. Ohne je formell ausgeschlossen worden zu sein, wurde Lechner nach 1945 in den Verzeichnissen des CV nicht mehr geführt217. Seine Beförderung zum Oberlandesarchivar 1948 vermochte er nach eigenen Angaben gegen den Widerstand der (CV-dominierten) ÖVP-Gewerkschaft durchzusetzen ; die von ihm angestrebte Betrauung mit einem eigenen Referat habe Letztere aber vorerst blockiert218. 214 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 195. 215 NÖLA NL EK, K. III, Mappe III/2, Schreiben Lechner an Klebel vom 25.06.1947 ; pikanterweise trägt dieses Schreiben auch den Stempel der damals noch üblichen Briefzensur. 216 ANÖLR, PA KL, Bericht von Dr. Willmitzer an den Herrn Landeshauptmann vom 12.03.1948. 217 Otto Krammer, Geschichte der katholisch akademischen Verbindung Bajuvaria 1920–1980 (Wiener Ka- tholische Akademie Miscellanea III,24, Wien 1984) 293. 218 NÖLA NL EK, K. III, Mappe III/2, Schreiben Lechner an Klebel vom 27.08.1949.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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