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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Karl Lechner (1897–1975) 559 Andererseits verfügte Lechner im Bauernbund über eine politische Stütze. Unmittelbar nach Aufhebung seiner Suspendierung Anfang 1947 trug ihm der Österreichische Bau- ernbund einen Vortrag im Rahmen eines Schulungskurses für bäuerliche Abgeordnete, Funktionäre und Sekretäre des Bauernbundes und der Kammern an219, und kaum ein Jahr nach der öffentlichen Gratulation des Niederösterreichischen Bauernbundes zu Lech- ners 50. Geburtstag setzte sich dessen Obmann Josef Reither, zudem Präsident des Öster- reichischen Bauernbundes sowie niederösterreichischer Landeshauptmann, mit Erfolg für Lechners Beförderung ein220. 1955 stieg Lechner schließlich doch noch zum Referatsleiter auf221, und später nahm er auch unter den österreichischen Archivaren eine führende Stel- lung ein. Als sich 1967 der „Verband österreichischer Archivare“ konstituierte, wurde der bereits seit fünf Jahren pensionierte Lechner einhellig zum ersten Präsidenten gekürt222. Dessen ungeachtet hielt sich das Land Niederösterreich mit Ehrungen lange zurück. War Lechner staatlicherseits bereits 1963 mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und anlässlich seines 70. Geburtstages 1967 mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet worden, so wurde er in Niederöster- reich erst 1975 – also knapp vor seinem Tod – mit dem Großen Ehrenzeichen für Ver- dienste um das Land Niederösterreich bedacht223. Vergleichsweise reibungslos und jedenfalls erfolgreich verlief Lechners Nachkriegskar- riere auf wissenschaftlichem Gebiet ; seine zwar leicht adaptierte, aber weiterhin „deut- sche“ Interpretation der österreichischen Geschichte war hier kein Hindernis224. Der To- pos von der Bollwerkfunktion des Landes im Osten war in die geopolitisch neue Situation des Kalten Krieges ebenso gut integrierbar wie Lechners Betonung der kulturellen Leis- 219 NÖLA, NL KL, K. I, Mappe I/5, Verschiedene Korrespondenz nach 1945, Schreiben des Österreichischen Bauernbundes an Lechner vom 08.01.1947 ; Lechner sagte zu und hielt den Vortrag Aus der Geschichte des ös- terreichischen Bauerntums am 24.01.1947 in Wallsee an der Donau ; ebd. K. IX, Mappe IX/2, Schulungskurs des Österreichischen Bauernbundes in Wallsee a. Donau vom 23. bis 29. Januar 1947. 220 ANÖLR, PA KL, Information für Herrn Präsidialvorstand Dr. Willmitzer vom 12.02.1948 ; die Beförderung erfolgte mit Beschluss der Nö. Landesregierung vom 05.05.1948 ; ebd, Schreiben ANÖLR, Präsidium, an Lechner vom 01.06.1948. 221 ANÖLR, PA KL, Abschrift eines Schreibens des Amtes der Nö. Landesregierung, Landesamtsdirektion, an Lechner vom 09.06.1956. 222 NÖLA, NL KL, K. II, Mappe II/8, Schreiben Dr. Franz Gall an Lechner vom 26.06.1967. 223 Pittioni, Lechner (wie Anm. 8), 586. 224 Heiss, Reich (wie Anm. 64) 470 ; wie aus einem Schreiben des Herausgebers des „Territorien-Ploetz“, Georg Wilhelm Sante, an Lechner 1962 geschlossen werden kann, wollte Lechner Österreich offenbar auch nach 1866 im Rahmen der deutschen Geschichte behandelt wissen. Die Antwort Santes lautete : Vor der Hand bin ich der Ansicht, daß Österreich nur bis 1866 zu behandeln ist – wir können die Geschichte nicht ändern. Mancher N u r – Österreicher würde es uns verübeln, wenn wir Österreich auch nach 1866 zu Deutschland rechneten. NÖLA, NL KL, K. I, Mappe I/5, Mappe Verschiedene Korrespondenz nach 1945, Schreiben Sante an Lech- ner vom 06.12.1962.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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