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562 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer
eine erste Basis gelegt238, auf der das ganze Fest aufbauen konnte239. Lechner dürfte sich
in weiterer Folge aber nicht mehr mit dem Jubiläum befasst haben240. Engagiert wirkte
er aber an der Förderung des offiziellen niederösterreichischen Landesbewusstseins mit.
So verfasste er für die im Sender Wien I seit Ende 1947 vierzehntägig ausgestrahlte Hör-
funkreihe „Niederösterreichische Heimatstunde“ wiederholt Beiträge241. Am 1. Juni 1949
lief seine Sendung „Das ‚Poigreich‘. Eine geschichtliche Landschaft Alt-Österreichs“, an
der auch der Chor des neu geschaffenen Niederösterreichischen Heimatwerkes teilhatte242,
und am Landesfeiertag am 15. November 1950 wurde sein in Dialogform verfasstes Lai-
enspiel „St. Leopold, unser Landespatron“ gesendet243. Die „Heimatstunde“ war Teil der
offiziellen Volksbildungsarbeit in Niederösterreich. Sie bezweckte, „einen Beitrag zur
Stärkung des niederösterreichischen Heimatgedankens und zur Weckung der kulturellen
Kräfte im Lande“ zu leisten244, wandte sich stark an Jugend und „Dorfgemeinschaften“
und trachtete in ihrem kulturellen Engagement, „die ‚Rastenden‘, die Arbeitsmüden, die
Industriegehetzten, vom Rande aufzuheben, sie mitzunehmen und ihnen zu ihrem Ar-
beits- und Ruhebedürfnis das Kulturbedürfnis zu wecken“245.
Den weiterhin aktiven und sendungsbewussten „Neuländer“ Lechner sprach diese Pro-
grammatik zweifellos an, und darüber hinaus erwies sich der öffentlich Bedienstete Lechner
als pflichtbewusster Diener seiner neuen Herren. Als etwa am 26. Oktober 1956 zum zweiten
Mal der „Tag der Fahne“ gefeiert werden sollte, war es der Wappenspezialist Lechner, der in
der amtlichen Wiener Zeitung unter dem (vielleicht nicht selbst gewählten) staatstragenden
Titel „Bindenschild und Rot-Weiß-Rot. Aus großer Vergangenheit in eine glückliche Zu-
238 Karl Lechner, Ostarrichi, in : Neue Ordnung. Monatsschrift für Gesellschaftsfragen (April 1946) 17–21 ;
ebd. 22–27 findet sich eine Abrechnung mit der gesamtdeutschen Geschichtsauffassung in Österreich durch
den von den Nationalsozialisten als „jüdisch versippt“ diskriminierten Friedrich Korger : ders., Die gesamt-
deutsche Geschichtsauffassung in Oesterreich.
239 Spevak, Jubiläum (wie Anm. 216) 49.
240 Ebd.
241 Franz Hurdes, Die Volksbildungsarbeit in Niederösterreich, in : Zur Volksbildungsarbeit in Niederöster-
reich. Eine Zusammenfassung der Referate und Berichte von der ersten niederösterreichischen Volksbildner-
tagung nebst einem Verzeichnis „Das niederösterreichische Schrifttum“, hg. v. Franz Hurdes (Wien 1950)
119–127, hier 122.
242 Ders., „Niederösterreichische Heimatstunde“. (Übersicht über die Sendungen seit Beginn der Sendereihe
bis 31. Dezember 1949), in : ebd. 134.
243 NÖLA, NL KL, K. IX, Mappe IX/5, Niederösterreichisches Heimatwerk „N.Oe. Heimatstunde“ 15. No-
vember 1950.
244 Hurdes, Volksbildungsarbeit (wie Anm. 244) 122.
245 Franz Thalhammer, Die „Niederösterreichische Heimatstunde“. Eine kritische Stellungnahme, in : Zur
Volksbildungsarbeit in Niederösterreich. Eine Zusammenfassung der Referate und Berichte von der ersten
niederösterreichischen Volksbildnertagung nebst einem Verzeichnis „Das niederösterreichische Schrifttum“,
hg. v. Franz Hurdes (Wien 1950) 128–131, hier 130.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien