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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 567 -
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Seite - 567 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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Karl Lechner (1897–1975) 567 I.13 Karl Lechner als Lehrer und Wissenschaftsorganisator Lechner hatte der Vermittlung landeskundlichen Wissens und landeskundlicher Metho- den stets viel Bedeutung beigemessen. Das zeigte sich nicht nur in seinem Engagement im Rahmen des NÖLA und des VfLKNÖ275, sondern auch an der Universität Wien und bei seinem fast lebenslangen Kampf um ein „Institut für Landeskunde“. Lechners erste Lehrveranstaltung fand im WS 1949/1950 statt. Sie handelte über „Sinn, Entwicklung und Aufgaben der Landesgeschichte und geschichtlichen Landeskunde, mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen Donauländer“276. Von Beginn an legte Lechner das Hauptgewicht seiner Lehre auf die praktischen Übungen, die er stets in seinem Zimmer im NÖLA in der Herrengasse abhielt. Bis zu seiner letzten Lehrveranstaltung im Sommer- semester 1968 hat Lechner im Großen und Ganzen auch seinen bevorzugten Adressaten- kreis beibehalten277. Seine Lehrveranstaltungen richteten sich in aller Regel an Mitglieder des IÖG und waren in dessen Ausbildungskurs eingebunden278. Das Themenspektrum seines Lehrangebots umfasste Landes-, Burgen- und Siedlungskunde, die Dynastie der Babenberger sowie verfassungs- und rechtsgeschichtliche Probleme vorzugsweise des Mittelalters. Lediglich Mitte der 1960er-Jahre setzte Lechner mit der Geschichte des Bauerntums und des ländlichen Siedlungswesens vorübergehend einen sozial- und wirt- schaftsgeschichtlichen Schwerpunkt.279 Mit der in den 1960er-Jahren rasch aufstreben- den Zeitgeschichte vermochte der mediävistisch orientierte Lechner wenig anzufangen. Wenn er ihr zunächst auch eine gewisse Berechtigung nicht absprach280, so polemisierte er doch später gegen dieses Fach, das seiner Ansicht nach „bei vielen Zeitgenossen, und nicht nur bei primitiven und naiven, […] als das heute allein Wichtige gesehen werde“281. Mitverantwortlich für diese Haltung könnte auch der von der Zeitgeschichte Ende der 1960er-Jahre vollzogene Bruch mit der am Beginn der Zweiten Republik konzipierten, hegemonialen akademischen Vergangenheitspolitik gewesen sein282. Indem sich die Zeit- geschichte politisch-emanzipatorisch im Sinne einer Stärkung des Demokratiebewusst- seins engagierte, unter anderem auch Fragestellungen wie „Widerstand und Verfolgung 275 Pongratz, Erinnerung (wie Anm. 326) 216–224. 276 Vorlesungs-Verzeichnis für das Wintersemester 1949/50, hg. v. Rektorat der Universität Wien (Wien 1949) 40. 277 Vorlesungs-Verzeichnis für das Sommersemester 1968, hg. v. Rektorat der Universität Wien (Wien 1968) 52. 278 UAW, PA KL, Schreiben Lechners an das Professorenkollegium der Phil. Fak. der Universität Wien vom 03.12. 1959. 279 Siehe dazu die Vorlesungs-Verzeichnisse der Jahre 1949 bis 1968. 280 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 195. 281 Karl Lechner, Zum Geleit, in : Scrinium Heft 1 (1969) 3–6, hier 4. 282 Gerbel, Geschichtsauffassung (wie Anm. 251) 87, 115.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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