Seite - 577 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Bild der Seite - 577 -
Text der Seite - 577 -
Karl Lechner (1897–1975) 577
II.1 Die ausgewählten Arbeiten
Die Wahl fiel zunächst auf Lechners Erstlingsarbeit aus 1924, „Geschichte der Besiedlung
und der ursprünglichen Grundbesitzverteilung des Waldviertels“ (= Lechner 1924)315. Sie
steht nicht nur am Beginn von Lechners Schaffen überhaupt, sondern enthält gleichsam
auch die Keimzelle der erwähnten Methode. Deren Anwendung durch ihren Urheber
selbst wiederum fand ihren Höhepunkt zweifellos in Lechners groß angelegter Publika-
tion „Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels“ (= Lechner 1937)316. Ver-
öffentlicht in Stepans siebenbändigem Werk „Das Waldviertel“, handelt es sich bei dieser
Arbeit um die neben der postum erschienenen Babenberger-Monografie umfangreichste
Publikation aus Lechners Feder und zugleich um den Höhepunkt seiner um die Erfor-
schung des mittelalterlichen Waldviertels kreisenden Forschungen.
Beide Arbeiten in aller Kürze zu charakterisieren, ist nicht einfach. Zunächst zu Lech-
ner 1924. Nach einem einleitenden Abschnitt, in welchem der Autor die Themenwahl
rechtfertigt und seine Vorgehensweise – nicht zuletzt gegen andere Forschungsmeinungen
gerichtet – darlegt (10–17), zeichnet er den „Gang der Besiedlung“ von der Prähistorie
bis ins Spätmittelalter nach (17–96). Es folgt der zentrale Abschnitt, „Träger der Koloni-
sation – Geschichte der großgrundbesitzenden Geschlechter“ (96–179), in welchem die
einzelnen Herrschaftsgebiete bzw. Adelsfamilien erörtert werden. Das letzte Kapitel lautet
„Siedlungsformen – Soziale Stellung – Ortsnamen – Stammeszugehörigkeit“ (179–207) ;
es nutzt Erträge benachbarter Disziplinen zwecks Verbreiterung der Quellenbasis und Ab-
rundung des via Urkundenforschung erarbeiteten Befundes ; dann folgen Berichtigungen.
Lechner 1937 verrät schon eingangs eine großzügigere Konzeption. Die Trennung von
„Vorwort“ (5f.) und einleitendem Kapitel (7–11 ; die einzelnen, auf das Vorwort folgen-
den Kapitel werden durchnummeriert, doch nicht betitelt) allein spricht für eine „buch-
mäßige“ Konzeption der Arbeit ; die in beiden Abschnitten begegnenden Angaben zur
Methode (6. bzw. 10f.) lassen schon eingangs eine von Reflexion begleitete Themenbe-
handlung erahnen. Ein überleitender Abschnitt (12–31) beschäftigt sich mit der Besied-
lung (von der Spätantike an) und arbeitet Erträge der Namens- bzw. Siedlungsforschung
315 Karl Lechner, Geschichte der Besiedlung und der ursprünglichen Grundbesitzverteilung des Waldviertels,
in : JbLKNÖ NF 19 (1924) = FS zur Sechzigjahrfeier des Vereines 10–210 ; auch als in Titel und Paginierung
identischer Sonderdruck vorliegend.
316 Karl Lechner, Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels. Mit besonderer Berücksichtigung
des Mittelalters und der frühen Neuzeit, in : Das Waldviertel 7 : Geschichte, hg. v. Eduard Stepan (Wien
o.J. [1937]) 2. Buch, 5–276 ; auch als in der Paginierung identischer Sonderdruck mit dem Zusatz „Mit zwei
Beiträgen von H. Weigl und St. Brunner“ vorliegend (also die Beiträge von H[einrich] Weigl, Abgekom-
mene Siedlungen [ebd. 277–279], bzw. Stephanie Brunner, Zwei Herrschaftskarten des Waldviertels [ebd.
280–299], umfassend).
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien