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Karl Lechner (1897–1975) 579
fangreicher, zu seiner Zeit in gängiger Länge vorgelegter Aufsatz319 ; Lechner 1937 bildet
hingegen ein kleines „Buch im Buch“. Die nächste Formfrage stellt genau genommen eine
Frage nach der Gattung dar und zielt darauf ab, ob das Thema im Rahmen einer Unter-
suchung, einer Edition, eines Forschungsberichts oder einer Rezension behandelt wurde.
Lechner 1924 bzw. 1937 stellen jeweils eine Untersuchung dar.
Themenwahl
Als Erstes ist zu fragen, ob das Thema erstmals aufgegriffen wird oder ob es sich um ei-
nen Teil eines konsequent erarbeiteten und planmäßig erweiterten Curriculums handelt.
Für Lechner 1924 trifft Ersteres zu ; Lechner 1937 bildet Teil eines seit 1924 erarbeiteten
Curriculums320. Damit in engem Zusammenhang steht die Frage, ob das Thema Hauptar-
beitsgebiete oder Vorlieben des Verfassers berührt. Für Lechner 1924 bzw. 1937 trifft Ers-
teres zu. Ferner muss geklärt werden, ob die Themenwahl aufgrund eines äußeren Anlasses
(etwa polemisch replizierend oder generell aufgrund eines bestimmten, die Themenwahl
provozierenden Forschungsstandes) erfolgt. Für Lechner 1924 trifft wohl Ersteres zu, da
z.T. polemisch repliziert wird, für Lechner 1937 nichts dergleichen.
Themenbehandlung
Mit der zweiten im Abschnitt „Publikationsformen“ gestellten Frage hängt die folgende
in nicht geringem Ausmaß zusammen, ob Erzählung oder Analyse, Referat oder Untersu-
chung, Replik, Polemik oder Appell vorherrscht. Lechner 1924 bzw. 1937 bieten Analyse,
Lechner 1924 auch Polemik. Ein weiterer Aspekt berührt die Gliederung. Diese kann
eine an inhaltlichen Kriterien orientierte Kapitelgliederung aufweisen, einen durch Lese-
Abschnitte gegliederten Aufbau oder gar eine „innere“ Gliederung. Für Lechner 1924
trifft Ersteres zu ; Lechner 1937 verrät hingegen eher einen durch Lese-Abschnitte geglie-
derten Aufbau.
Weiters ist zu klären, ob eine allmähliche Entwicklung der angestellten Überlegungen
erfolgt oder gleich „in medias res“ gegangen, systematisch oder sprunghaft vorgegangen
wird. Lechner 1924 bzw. 1937 zeichnen sich durch allmähliche Entwicklung des Gegen-
319 In landeskundlichen Organen erschienen oftmals tranchenweise veröffentlichte Aufsätze von insgesamt be-
trächtlichem Umfang. Ein Beispiel – auch für einen von Lechner rezipierten Autor – : Josef Lampel, Die
babenbergische Ostmark und ihre „Tres comitatus“, in : JbLKNÖ NF 2 (1903) 1–76, NF 3 (1904) 1–137,
NF 4/5 (1905/06) 225–489. – Sobald derartige groß angelegte Aufsätze als Separata vorlagen, wurden ihnen
Besprechungen gewidmet : Vgl. die Rezension Lechner 1924 durch Josef Pfitzner in MIÖG 42 (1927)
121–126, bzw. die Rezension von Lechner 1937 durch K[arl] Wührer in MIÖG 53 (1939) 199–202.
320 Man beachte nur die erste Bilanz von Lechners Lebenswerk, die von Kurt Vancsa zusammengestellte Biblio-
grafie in der ausschließlich Lechner-Arbeiten enthaltenden FS zu dessen 50.Geburtstag : Karl Lechner (wie
Anm. 207) 231–233.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien