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Karl Lechner (1897–1975) 583
durch Lechner328. Nun, dies stimmt so nicht, zumal dieser schon 1924 die 1910 erschienene
Dungern-Monografie über die Entstehung der Landeshoheit rezipiert hat329. Somit waren
die Voraussetzungen für Lechners Forschungen nicht allzu günstig : Systematisch betriebene,
jedoch mangelhafte genealogische Mikrostudien à la Wendrinsky330 wurden flankiert von
übergreifenden, aus rechtsgeschichtlicher Warte erarbeiteten Büchern eines Dungern ; hinzu
traten Spezialuntersuchungen wie diejenigen Julius Strnadts331 bzw. Franz Heilsbergs332,
während der Einfluss eines von Lechners akademischen Lehrern, Dopsch, noch genauer
nachzuweisen wäre333.
Vancsas Landesgeschichte referiert in seiner Einleitung übrigens sehr schön den um
1905 gegebenen und weitgehend auch noch für Lechner verbindlichen Forschungs-
stand334. Dieser zeichnete sich durch ein Nebeneinander zahlreicher Quelleneditionen
und übergreifender Gesamtdarstellungen, kaum jedoch durch aus den genannten Edi-
tionen gespeiste Analysen aus. Dies bedeutete für Lechner, in eine Bresche zu springen,
also Vorhandenes zu berichtigen, auf Verlässlichem aufzubauen und somit Neuland zu
Hinweis auf die lesenswerte Würdigung Dungerns durch Theodor Mayer, Die Ausbildung der Grundlagen
des modernen deutschen Staates im hohen Mittelalter, in : HZ 159 (1939) 457–487 (hier nach dem fast un-
veränderten Abdruck in : Herrschaft und Staat im Mittelalter), hg. v. Helmut Kämpf (Wege der Forschung
2, Darmstadt 1974) 287. – Da Mayers Aufsatz 1939 erschien, verwundert das Verschweigen des ebenfalls als
Rechtshistoriker hervorgetretenen Sigmund Adler (siehe unten Anm. 328), der jüdischer Abstammung war,
nicht.
328 Die bei Mitterauer, Herrschaftsbildung (wie Anm. 327) 269 Anm. 11, angeführte Rezeption Sigmund
Adlers lässt sich beispielsweise anhand von Lechner 1937, 160 Anm. 5, nachweisen.
329 Lechner 1924, S. 111 Anm. 1 (Lechner nennt beim Zitieren übrigens irrtümlich S. 163 statt S. 143). –
Gemeint ist : Dungern, Landeshoheit (wie Anm. 324). – Ferner erfolgte die Rezeption Dungerns durch
Lechner etwa in : Karl Lechner, Grafschaft, Mark und Herzogtum. Ein Beitrag zur Territorial- und Verfas-
sungsgeschichte Österreichs, in : Jb. für Landeskunde und Heimatschutz von Niederösterreich und Wien NF
20 (1926/27) 1 : FS zum sechzigsten Geburtstage von Max Vancsa, 32–69, hier z.B. 49 Anm. 1 ; schließlich
hat Lechner dem Dungern’schen Buch „Adelsherrschaft im Mittelalter“ eine ausführliche Besprechung im
JbLKNÖ NF 22 (1929) 116–121, gewidmet.
330 Zu diesem siehe oben Anm. 326.
331 Zu diesem siehe oben Anm. 322.
332 Diese ist laut Vancsa, Geschichte (wie Anm. 324, XI), aus einer Dissertation hervorgegangen (vgl. auch
ebd. 223 Anm. 1).
333 Im Zuge einer solchen Untersuchung wäre zu erörtern, ob Lechner 1924 gleichsam als Vertiefung etlicher
von Dopsch angestellter Überlegungen zum Thema Adel und Grundbesitz betrachtet werden könnte ; vgl.
etwa Arbeiten wie Alfons Dopsch, Zur Geschichte der patrimonialen Gewalten in Niederösterreich, in :
MIÖG 29 (1908) 594–624 ; hier zitiert nach ders., Gesammelte Aufsätze 1 : Verfassungs- und Wirtschafts-
geschichte des Mittelalters, hg. v. Erna Patzelt (Wien 1928, ND Aalen 1968) 183–216, hier bes. 212–214.
– Zu Dopsch vgl. Thomas Buchner, Alfons Dopsch (1868–1953). Die „Mannigfaltigkeit der Verhältnisse“,
in : Österreichische Historiker (wie Anm. 8) 155–190, 189 Erwähnung des Dopsch-Dissertanten Lechner. –
Zu Redlich, einem weiteren Lechner-Lehrer, siehe zuletzt die Beiträge in MIÖG 117 (2009) 399–428.
334 Vancsa, Geschichte (wie Anm. 324) 1–26.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien