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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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584 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer betreten. Die wichtigste Voraussetzung dafür war – neben der Nutzung relevanter Erträge anderer Disziplinen – eine genaue Quellenkenntnis, welche für Lechner ein Forscherleben lang das wichtigste Rüstzeug darstellen sollte. Lechner selbst entwickelte seine auf urkundlichen Belegen zu Genealogie und Grund- besitz aufbauende, Interdisziplinarität stark forcierende Methode weiter. Sein Aufsatz im Horner Heimatbuch aus 1933 erweist sich, wenngleich in der Themenstellung stark ein- geschränkt, gewissermaßen als Zwischenstufe auf dem weiteren Weg zur Verfeinerung und weit „großräumigeren“ Anwendung335. Auch in ihr wird (246–256) die Bedeutung eines mehrfachen methodischen Zugangs zum Thema vor Augen geführt : ein Vorgehen also un- ter Berücksichtung von Orts- und Flurnamenforschung, Siedlungsplanforschung und Ur- kundenforschung zwecks Herausarbeitung der einzelnen Hoheits- und Herrschaftsgebiete. Einen Namen erhielt Lechners Methode jedoch erst später, nämlich in Lechner 1937 : Im Vorwort (6) wird die „besitzgeschichtlich-genealogische Methode“ ausdrücklich als solche bezeichnet und als Grundlage der von uns bereits behandelte Aufsatz Lechner 1924 deklariert (5)336. Im Zuge dessen wird die stärkere Heranziehung der besitzgeschichtli- chen bzw. genealogischen Forschung erwähnt und das weitere Vorgehen programmatisch unterstrichen. In den Jahren rund um das Erscheinen jenes „Buchs im Buch“ häuften sich derartige Äußerungen in Lechners Werk. In seinem Kleinmariazell-Aufsatz etwa hält der Autor geradezu ein Plädoyer für seine Methode : „Die Urkunde aber, die über die Stiftung er- halten ist, verschweigt oder verschleiert den wahren Sachverhalt. Wir aber sehen, daß es möglich ist, auch in einem solchen Falle zur Aufklärung zu gelangen : durch konsequente Verfolgung nämlich eines bestimmten Gutskomplexes unter verschiedene Teilbesitzer bis in spätere Zeit und durch Vergleich mit anderen Besitzgruppen, dazu mit vorsichtigen genealogischen Schlüssen ; außerdem aber mit der umsichtigen Auswertung der Orts- und Flurnamen, der Siedlungsanlagen, der Patrozinien u.a. und selbstverständlich in der sorgfältigeren Interpretation von Urkunden, unter Beachtung der archivgeschichtlichen Momente. Die Fruchtbarkeit der besitzgeschichtlich-genealogischen Methode, die heute für eine kritische Besiedlungs- und Territorialgeschichte als unerläßliche Voraussetzung erkannt wird, hat sich auch für unsere Untersuchung bewährt !“337 335 Karl Lechner, Geschichte der Besiedlung und der ältesten Herrschaftsverteilung, in : Heimatbuch des Be- zirkes Horn 1, hg. v. Franz Lukas, Friedrich Moldaschl (Horn 1933) 246–304. 336 Übrigens deutet schon die vorsichtig-abwandelnde Titelwahl auf ein in jeder Hinsicht gegebenes Anknüpfen an jenen älteren Aufsatz hin. Man vergleiche : 1924 : „Geschichte der Besiedlung und der ursprünglichen Grund- besitzverteilung des Waldviertels“, 1937 : „Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels […]“. 337 Karl Lechner, Die Gründung des Klosters Maria-Zell im Wiener Wald und die Besitzgeschichte seiner Stif- terfamilie, in : JbLKNÖ NF 26 (1936) 92–118, hier 118 (Schluss), Hervorhebung nach Original. – In einer wenig später publizierten Arbeit führt er einleitend sowie unter Bezugnahme auf seine eben vorgelegte Unter-
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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