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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 587 -
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Karl Lechner (1897–1975) 587 Ein wichtiger Zeuge für die zeitgenössische Rezeption ist Ernst Klebel. In der for- schungsgeschichtlichen Einleitung eines Aufsatzes würdigt er Lechner neben anderen Autoren : „Es war für die Landesgeschichtsforschung in Niederösterreich nicht weniger ein Hindernis, daß gerade zwei sehr angesehene, aber auch streitbare Forscher, Heinrich Brunner und Alfons Dopsch, ihre Thesen auf Gegenstände aus dieser Landesgeschichte aufgebaut haben. Die Forschung im einzelnen, die Stück für Stück hätte zusammentragen können und sollen, hat es daher jahrelang vermieden, die von diesen beiden berührten Gegenstände wieder aufzunehmen. Erst die Arbeiten von Otto Stowasser und Karl Lech- ner haben den Bann gebrochen, der so lange über der Landesgeschichte von Niederöster- reich lag.“344 Was die Bewertung Lechner’scher Forschungsergebnisse in jüngerer Zeit betrifft, ist – neben dem genannten Mitscha-Märheim345 – etwa Michael Mitterauer zu nennen, der in seinen früheren Arbeiten immer wieder u.a. an Lechner anknüpft. In seinem de- fensorisch-replizierenden346 Aufsatz „Zweierlei Wissenschaft ?“ bezeichnet er Lechners „besitzgeschichtlich-genealogische Methode“ „als eine der klassischen Methoden landes- kundlicher Forschung“ und meint ferner : „Meine Mitautoren und ich haben aus dem räumlichen Nebeneinander von Reichskirchengut und Adelsherrschaft eines die betref- fende Kirche bevogtenden Geschlechtes auf Herrschaftsbildung auf der Basis von Vog- teirechten geschlossen, vor allem dann, wenn die Adelsherrschaft unmittelbar im Bereich einer Königsschenkung entstanden ist. Das ist methodisch nichts anderes als der Schluß aus Besitznachbarschaft zweier Adelsgeschlechter auf ursprüngliche Einheit des Besitzes in der Hand eines gemeinsamen Vorfahren, wie er in Lechners besitzgeschichtlich-genealo- gischer Methode erfolgt. Im einen Fall liegt die vielfach belegbare Besitzsplitterung durch Erbgang der historischen Rekonstruktion zugrunde, im anderen die gewiß ebenso abge- sicherte Erkenntnis, daß im Hochmittelalter Adelige unter dem Titel der Vogtei Burgen errichteten und von ihnen aus Herrschaftsrechte ausübten.“347 344 E[rnst] Klebel, Zur Rechts- und Verfassungsgeschichte des alten Niederösterreich, in : Jb. für Landeskunde von Niederdonau NF 28 (1939–43) 11–120, hier 11. Hervorhebung nach Original. 345 Man nehme nur einen seiner letzten Aufsätze zur Hand, etwa Herbert Mitscha-Märheim, Babenberger und Ebersberger und ihre Erben im und um das Poigreich, in : JbLKNÖ NF 42 (1976 = Babenbergerfor- schungen) 216–234, hier 216 : „Karl Lechner [Hervorhebung im Original] hat sich seit über einem Halbjahr- hundert wiederholt mit der Geschichte des niederösterreichischen Waldviertels beschäftigt und insbesondere über dessen Grenzgebiete gegen Böhmen : Poigen, Pernegg und Raabs, Bedeutendes und Grundsätzliches aus- gesagt. Wir wollen nun versuchen, auf seinen Spuren weiterwandernd, einige neue Aspekte zu setzen […].“ 346 Dieser erschien im Rahmen eines gelehrten Schlagabtauschs zwischen Michael Mitterauer und Othmar Hageneder, der uns hier nicht näher zu beschäftigen braucht. Ausführlich referiert wird er bei Max Weltin, Die Gedichte des sogenannten „Seifried Helbling“ als Quelle für die Ständebildung in Österreich, in : ders., Land (wie Anm. 96) 287–295. 347 Michael Mitterauer, Zweierlei Wissenschaft ? in : Unsere Heimat 46 (1975) 22.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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