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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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588 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Wieder konnte Lechners Methode inspirierend wirken, eine Methode, die Helmuth Feigl in seinem Nachruf so scharfsinnig fast in eine Formel zu pressen versucht hat : „Wenn an einem Ort A und an einem Ort B im 11./12. Jahrhundert Besitz eines Adelsge- schlechtes X und im 13./14. Jahrhundert Besitz des Geschlechtes Y nachweisbar ist, dann kann für einen Ort C, wo im 13./14. Jahrhundert ebenfalls das Geschlecht Y ansässig ist, für den aus dem 11./12. Jahrhundert aber keine Urkunden vorliegen, ebenfalls auf das Geschlecht X als Besitzvorgänger geschlossen werden.“348 Selbst nach diesen wenigen Zeugnissen kann man die von Lechner bzw. dessen Me- thode ausgehende Faszination erahnen. Nicht, dass sich keine Gegenstimmen erhoben hätten, doch ein kritisches Nachprüfen seiner Ergebnisse fand erst relativ spät statt. Speer- spitze einer bereits zu Lechners Lebzeiten einsetzenden Kritik war und ist Maximilian Weltin. Dieser vermochte die von Lechner und anderen Autoren vorgetragene „Graf- schaftstheorie“ zu erschüttern349 : Sie gilt es wenigstens insoweit zu streifen, als sie auch für die bereits erwähnten Herren von Pernegg – und damit auch Lechners zentrale Me- thode – von Bedeutung ist. Einen 1995 erschienenen Aufsatz zum Thema „Grafschaft Pernegg-Drosendorf“350 er- öffnet Weltin mit einem genauen Referat von Lechners einschlägigen Forschungsmeinun- gen seit dem erwähnten, im Horner Heimatbuch erschienenen Aufsatz aus 1933351. Im 348 Feigl, Bedeutung (wie Anm. 5) 216. 349 So etwa Max Weltin, Die „tres comitatus“ Ottos von Freising und die Grafschaften der Mark Österreich, in : ders., Land (wie Anm. 96) 60–81 ; ferner ders., Zur Entstehung der niederösterreichischen Landgerichte, in : ebd. 24–59. – An dieser Stelle wäre auf die Bedeutung der Arbeiten des oben bereits erwähnten Otto Heinrich Stowasser (1887–1934) für Lechners Beschäftigung mit derartigen Fragen hinzuweisen. – Auf wei- tere, von der Forschung seither erledigte Details wie die Beurteilung von Königsschenkungen durch Lechner (und andere) kann hier nicht eingegangen werden ; ich verweise daher auf Erwin Kupfer, Der ältere baben- bergische Grundbesitz in Niederösterreich und die Bedeutung der Königsschenkungen für die Entstehung der landesfürstlichen Macht, in : Österreich im Mittelalter. Bausteine zu einer revidierten Gesamtdarstellung. Die Vorträge des 16. Symposions des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde, Puchberg am Schneeberg, 1. bis 4. Juli 1996, hg. v. Willibald Rosner (Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen In- stitut für Landeskunde 26 ; NÖ Schriften 109, Wissenschaft, St. Pölten 1999) 17–65. – Bereits vor Kupfer wurde Kritik an Lechners diesbezüglichen Feststellungen durch Weltin geübt : Weltin, Helbling (wie Anm. 346) 287–322 ; ferner ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen auf : Karl Brunner, Ius, quod veri minis- teriales habent, in : MIÖG 100 (1992) 175–180, bzw. ders., Welche Marken ? in : JbLKNÖ NF 62 (1996 = Festgabe des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich zum Ostarrichi-Millennium), 1. Teil, 159–169, bes. 161. – Aus regionalgeschichtlicher Sicht erfolgte eine sympathisierende Lechner-Rezeption in puncto Königsschenkungen durch den mit Lechner befreundeten Pongratz (vgl. dessen Lechner-Nachruf oben Anm. 317) : Walter Pongratz, Königsschenkungen in Niederösterreich unter besonderer Berücksichtigung des Waldviertels (Ein Beitrag zum Werden des Landes Österreich), in : Das Waldviertel 34 (1985) 1–19. 350 Max Weltin, Die Grafschaft Pernegg-Drosendorf, in : ders., Land (wie Anm. 96) 487–508, bes. 487–489. 351 Lechner, Geschichte der Besiedlung (wie Anm. 335) ; dessen ältere, im Aufsatz Lechner 1924 vorgestellten Ergebnisse werden von Weltin in diesem Zusammenhang nicht berücksichtigt.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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