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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 589 -
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Karl Lechner (1897–1975) 589 zentralen Teil seiner Untersuchung geht Weltin sodann auf Lechners „Theorie von den nicht zur Mark gehörenden reichsunmittelbaren Grafschaften“352 ein, um sich sodann den Quellen im einzelnen zu widmen. Im Rahmen der Prüfung einzelner Belege und deren Überlieferung spannt Weltin einen Bogen zurück zu Bernhard Linck, ja Johannes Cuspinianus ; auf Lechners eingangs ausführlich referierte Ansichten wird ansonsten je- doch nicht mehr eingegangen. Konsequenterweise, ist man zu sagen versucht, wendet sich Weltin zwar gegen einzelne Schlussfolgerungen Lechners, nicht jedoch gegen die „besitzgeschichtlich-genealogische Methode“ als solche – was er an anderer Stelle jedoch sehr wohl tut353. Doch egal, wie es um die Anfechtbarkeit der von Lechner angewendeten Methode steht : Als bedeutender Teil seines Lebenswerks354 scheint sie immer noch Strahl- kraft auf kommende Forschergenerationen auszuüben. II.4 Zusammenfassung Anhand zweier ausgewählter Arbeiten Karl Lechners wurde der Versuch unternommen, Vorarbeiten für eine tiefer gehende Beschäftigung mit seinem Gesamtwerk zu leisten. Im Zuge einer systematischen Behandlung der Aspekte Publikationsorte, Publikations- formen, Themenwahl und Themenbehandlung konnten Eigentümlichkeiten von Lech- ners Arbeitsweise und – bei aller Knappheit – die ausgewählten Arbeiten charakterisiert werden. Für diese erscheint ihr landeskundlicher Horizont ebenso bezeichnend wie ihre Funktion im Rahmen eines systematisch erweiterten Curriculums, welches größtenteils um Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte auf urkundlicher Quellenbasis aufgebaut war. Weiters sind das allmähliche Entwickeln der Gedanken, die Klärung von Spezialfragen, ein folgerichtig induktives Vorgehen, interdisziplinäres Arbeiten und eine hoch entwi- ckelte Belegkultur charakteristisch für die sich in den beiden ausgewählten Aufsätzen wi- derspiegelnde Arbeitsweise Lechners. Ein Schwerpunkt unserer knappen Analyse lag auf der Herausarbeitung von Genese und Entwicklung der Lechner’schen Methodik. Diese wurde von älteren Forschungen zwar gleichsam provoziert, war jedoch damals etwas völlig Neues. Mit der Kombination aus sorgsamem methodischem Vorgehen und großer Quellenkenntnis avancierte Lech- 352 Weltin, Pernegg-Drosendorf (wie Anm. 350) 490. 353 Weltin, Probleme (wie Anm. 96) 436–486, bes. 451f. 354 Wohlgemerkt : ein Teil, denn folgender Feststellung ist wohl nichts hinzuzufügen : Dopsch, Landesge- schichte (wie Anm. 260) 61f.: „So sind die umfangreichen Arbeiten Karl Lechners über das Waldviertel Mus- terbeispiele für eine ebenso präzise wie umfassende Regionalforschung. In Form von Einzeluntersuchungen hat Lechner fast ganz Niederösterreich bearbeitet und über enorme Detailkenntnisse verfügt. Trotzdem waren seine Interpretationen der Landwerdung Niederösterreichs verfehlt und mußten im letzten Jahrzehnt durch einige bahnbrechende Untersuchungen von Max Weltin berichtigt werden.“
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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