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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Seite - 592 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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592 Michael Wedekind in einem Nachruf formulierte – als „für uns alle verbindliche[s] Vorbild“. Es war vor al- lem Huters „kompromisslose[s] Festhalten an seinen Grundsätzen“5, das vielen als Ideal, manchem zudem als spezifisches Erbe seiner Südtiroler Heimat erschien6. Auch sein aka- demischer Lehrer und Mentor, der zeitweise streng nationalsozialistisch orientierte His- toriker Harold Steinacker, sah in Huter einen Depositär und Treuhänder kostbarer geistiger Überlieferung, zu der nach ihm niemand mehr vollen Kontakt habe7. In diesen Wertschätzungen schwang indes bereits das Bewusstsein mit, dass eine gesell- schaftliche Erosion von Huters Grundsätzen und Werthaltungen, dass ein Bruch mit den von ihm bewahrten weltanschaulich-intellektuellen Kontinuitäten gewissermaßen auch den Sturz seines Denkmals befördern müsse. In der Tat hatte in den letzten Jahren vor dem Tod Huters eine Debatte um die weithin ungebrochenen Traditionslinien, um volks- tumswissenschaftlich verpflichtete Methoden und Paradigmen der Tiroler Geschichtswis- senschaft angehoben und erstmalig NS-Involvierungen ihrer Vertreter thematisiert8. Dem Konformismus zweier Nachkriegsgenerationen Tiroler Historiker – und nicht zuletzt ihren oftmals persistenten ethnozentrischen Orientierungen – war es vor allem geschul- det, dass bis in die 1980er-Jahre hinein Huters hoher Ruf, der sich ganz wesentlich auf seine „geschichtswissenschaftliche Verteidigung“ Südtirols gründete, nicht infrage gestellt wurde. 5 Adolf Leidlmair, Franz Huter zum Gedenken, in : Innsbrucker Jahresbericht [der Innsbrucker Geographi- schen Gesellschaft] 14 (1997/98) 150–153, hier 150. – Leidlmair wirkte von 1949–1951 als Huters Assistent am Historischen Seminar der Universität Innsbruck und übernahm von diesem 1969 die Leitung des Instituts für geschichtliche Landeskunde. 6 Ernest Troger, Univ.-Prof. Dr. Franz Huter – 60 Jahre alt, in : Der Schlern 33 (1959) 179–181, hier 180. – Troger war seit 1961 als Assistent Huters am Institut für geschichtliche Landeskunde tätig gewesen. 7 Steinacker an Huter, Bad Häring, 14.08.1964, zitiert nach Oberkofler, Huter (wie Anm. 1) 219–221, hier 219. Zu Steinacker siehe Renate Spreitzer, Harold Steinacker (1875–1965). Ein Leben für „Volk und Ge- schichte“, in : Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei, hg. v. Karel Hruza (Wien/Köln/Weimar 2008) 191–223. 8 Erinnert sei an den Disput zwischen Michael Gehler und Huter um dessen Rolle in den Jahren 1939–1945 sowie an die kritischen Anmerkungen von Brigitte Mazohl-Wallnig und Laurence Cole. Siehe dazu Michael Gehler, Der Hitler-Mythos in den „nationalen“ Eliten Tirols, dargestellt anhand ausgewählter Biographien am Beispiel der Südtirolfrage und Umsiedlung, in : Geschichte und Gegenwart 9,4 (1990) 279–315 ; Franz Huter, Feststellungen, in : ebd. 10,4 (1991) 319f.; Gehler, Zur Kulturkommission des SS-Ahnenerbes in Südtirol 1940–1943 und Geschichte des „Tolomei-Archivs“ 1943–1945 : Entgegnungen zu Franz Hu- ters „Feststellungen“, in : ebd. 11,3 (1992) 208–235 ; Huter, Neue Feststellungen, in : ebd. 11,3 (1992) 236–238 ; Brigitte Mazohl-Wallnig, Quousque tandem  … ? Das Fach Österreichische Geschichte : eine Herausforderung der männlichen Tradition, in : Geschichte und Region/Storia e regione 4 (1995) 223–243 ; Laurence Cole, Fern von Europa ? Zu den Eigentümlichkeiten Tiroler Geschichtsschreibung, in : ebd. 5 (1996) 191–225 ; dasselbe auch als ders., „Fern von Europa ?“ The Peculiarities of Tyrolian Historiography, in : Zeitgeschichte 23 (1996) 181–204.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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