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Franz Huter (1899–1997) 593
II. Weg in die Wissenschaft
Huters Vita – auch seine frühe Öffnung zum Nationalsozialismus (bereits weit vor 1938)9
– vermag stellvertretend zu stehen für eine Vielzahl generationell weithin analog verlau-
fener Biografien von Vertretern des volkstumswissenschaftlichen Milieus der 1920er- bis
1940er-Jahre. Huter gehörte einer Alterskohorte an, deren Lebensweg noch in die späten
Jahre der Habsburgermonarchie zurückreichte. Sozialisiert im kleinbürgerlichen Milieu
Bozens, wo er am 14. August 1899 geboren wurde, noch mit starken Bindungen an die
bergbäuerliche Welt seiner Vorfahren am Schlern, erwiesen sich die Koordinaten eines
konservativ-katholisch-patriarchalischen, autoritär-streng deutschnationalen Wertesys-
tems für ihn als prägend und über jeden epochalen Wandel hinweg verpflichtend.
Biografisch ebenso wirkmächtig wurde ihm das Weltkriegserleben an der Italien-Front,
wo er – nach Kriegsmatura am Franziskaner-Gymnasium in Bozen im Dezember 1917
und anschließender Absolvierung der Prager Reserveoffiziersschule – zuletzt als Fähnrich
des 2. Regiments der Tiroler Kaiserjäger am Monte Pasubio zur Verwendung kam. Ge-
radezu als Trauma erlebte Huter, der mehrfach Kriegsausgezeichnete, dann den Zusam-
menbruch der Habsburgermonarchie, die Aufrichtung der Nachkriegsordnung und die
Teilung des Landes Tirol, über welchem zum Zeitpunkt des italienischen Kriegseintrittes
1915 noch der Rauch der vorausgegangenen Nationalitätenkämpfe gehangen hatte. Wie
für weite Teile der sich heranbildenden jüngeren Wissenschaftsgeneration, hatte auch für
Huter außer Frage gestanden, dass es nun „erst recht zu streiten galt. Zwar nicht mehr auf
dem Feld der Ehre, aber dafür auf allen Linien des politischen und kulturellen Lebens“10.
Der Kampf gegen die italienische Annexion Südtirols bestimmte maßgeblich seine Stu-
9 Huter hatte von 1934–1938 der Vaterländischen Front angehört. Seinem am 28.06.1938 gestellten NSDAP-
Mitgliedschaftsantrag bei der Ortsgruppe St. Veit an der Wien wurde aufgrund einer allgemeinen Aufnah-
mesperre und dem Hinweis auf eine notwendige Bewährungsfrist wegen nicht ausreichender Parteitätigkeit
erst am 01.07.1940 stattgegeben ; siehe BAB, PK (ehem. BDC), Gau Wien/Kreisgericht VI : Beschluss im
Ablehnungsverfahren Huter, Wien, 29.11.1938. – Friedrich Wilhelm Antonius, Oberstaatsarchivar am Wie-
ner HHStA, vermerkte im November 1942 in einer Beurteilung Huters, die im Zusammenhang mit dessen
Ernennung zum Leiter der Alpenländischen Forschungsgemeinschaft (AFG) in Innsbruck Ende 1942 stehen
dürfte : Huter war als Südtiroler, Grenzlanddeutscher, seit jeher streng national eingestellt und war auch, wie ich
von ihm selbst weiß und zu beobachten Gelegenheit hatte, schon jahrelang vor dem Umbruch innerlich überzeugter
Anhänger der nationalsozialist[ischen] Bewegung. Sofort nach dem Anschluss meldete er sich als Parteianwärter
und stellte sich gleichzeitig seiner Ortsgruppe („St. Veit an der Wien“) als Mitarbeiter zur Verfügung. Er war dort
bis zu seiner Einberufung zum Militär (1939) mit großem Erfolg tätig. […] Er ist […] ein überzeugter, hundert-
prozentiger Nationalsozialist. Zur Bekleidung eines führenden Postens ist er zweifellos hervorragend geeignet. Siehe
StLA, Zeitgeschichtliche Sammlung, K. 213 : Friedrich Wilhelm Antonius : [Beurteilung von Huter] Wien,
23.11.1942.
10 Franz Huter, Laudatio auf Matthias Ladurner-Parthanes, in : Der Schlern 49 (1975) 246–248, hier 246.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien