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594 Michael Wedekind
dienwahl, prägte Methoden und Inhalte seiner wissenschaftlichen Arbeit, wurde ihm zur
Lebensaufgabe.
Im Februar 1919 aus italienischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, inskribierte Hu-
ter im Sommersemester desselben Jahres an der Innsbrucker Leopold-Franzens-Universität
für Geschichte, deutsche Philologie und Geografie. Seine nachherige Tiroler Raum- und
Volksgeschichte, die sich an der damals noch relativ jungen Volks- und Kulturboden-The-
orie des Geografen Albrecht Penck ausrichtete, bezog wesentliche paradigmatisch-metho-
dische Impulse von seinen akademischen Lehrern : Bei Hermann Wopfner, der es gleich
1918 als „vaterländische und nationale Pflicht“ bezeichnet hatte, „der Annexion Deutsch-
Südtirols durch Italien mit den Waffen der Wissenschaft entgegenzutreten“11, begegnete
er dem als innovativ geltenden Ansatz interdisziplinärer landesgeschichtlich-ethnohisto-
rischer Forschung, bei Harold Steinacker einer gesamtdeutschen Geschichtsauffassung.
Unter dem Eindruck des Geografen Norbert Krebs und dessen Raumideologie formte
sich während eines zweisemestrigen Aufenthaltes 1920/21 an der Universität Freiburg im
Breisgau wesentlich Huters Konzeption politischer Raumbildung ; der Mediävist Alfons
Dopsch, bei dem er im Wintersemester 1921/22 am IÖG in Wien hörte, beeinflusste
maßgeblich seine wirtschaftshistorischen und geopolitischen Vorstellungen12. Dieses wa-
ren Prägungen, die auf Huter nachhaltig und in bruchlosem Strang über das Jahr 1945
hinaus wirkten. Hinzu kamen die Erfahrungen einer Vergesellschaftung in Vereinigungen
wie dem katholischen und zunehmend deutschvölkischen Akademisch-alpinen Verein
Innsbruck, in dem er in engeren Kontakt zu Wopfner treten konnte, oder dem dortigen
Akademischen Historikerklub, wo er unter anderem freundschaftliche Beziehungen zu
dem nachherigen Innsbrucker Geografen Hans Kinzl, dem Begründer der Innsbrucker
Schule der (historischen) Bevölkerungsgeografie der 1940er-Jahre, anknüpfte.
Nach der Promotion im Dezember 1923 bei Wopfner in Innsbruck nahm Huter
1924/25 am 34. Ausbildungskurs des IÖG in Wien teil13, da ihm die politische Lage in
Südtirol den angestrebten Schul- ebenso wie später den Archivdienst verwehrte. Gemein-
sam mit Huter absolvierten unter anderem Alphons Lhotsky, mit dem er freundschaftlich
verbunden blieb, Ernst Karl Winter, Franz Carl Heimito von Doderer, Karl Helleiner
sowie Hugo Hantsch, dem er bereits in Innsbruck begegnet war, den Lehrgang des Wiener
Instituts14. Nicht zuletzt die spätere Haltung zum Nationalsozialismus hat diese Lebens-
11 Hermann Wopfner, Die Einheit Deutschtirols, in : Denkschrift des akademischen Senats der Universität
Innsbruck (Innsbruck 1918) 1–38, hier 4.
12 Huter hörte in Innsbruck ferner u.a. bei Richard Heuberger, Josef Schatz und Johann Sölch, in Wien bei Emil
von Ottenthal und Oswald Redlich, mit denen er in späteren Jahren persönliche Kontakte unterhielt, sowie
bei Heinrich von Srbik.
13 Siehe IÖG, Archiv, Akten 34. Ausbildungskurs 1923–1925.
14 Siehe Leo Santifaller, Das Institut für österreichische Geschichtsforschung. Festgabe zur Feier des zwei-
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien