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596 Michael Wedekind
brucker Extraordinariat für Geschichte des Alpenraumes und Allgemeine Wirtschaftsge-
schichte berufen worden war und damit die Nachfolge Wopfners antrat, schied er zum 1.
Februar 1942 aus dem Wiener Archivdienst aus.
III. „In Verteidigung und zum Frommen der grossen
deutschen Sache“17 : Im Kampf um Südtirol
Mit Euphorie hatten die volkstumswissenschaftlichen Milieus nicht nur in Österreich
den „Anschluss“ des Landes an das Deutsche Reich aufgenommen. Huter bejubelte ihn
am 15. März 1938 auf dem Wiener Heldenplatz, nachdem er schon zuvor für sich eine
Teilnahme an der von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg für den 9. März geplanten Volks-
abstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ausgeschlossen hatte18. In diese Stim-
mung und in die grundsätzliche Identifizierung mit dem Nationalsozialismus und dessen
Expansionsstreben mischten sich indes Irritationen über die offizielle Haltung des NS-
Regimes in der Südtirol-Frage : Hitlers feierliche Anerkennung der Brenner-Grenze im
März 1938 hatte im Juni des Folgejahres zur deutsch-italienischen Vereinbarung über eine
radikale und irreversible Lösung des Südtirol-Problems durch Aussiedlung der deutsch-
und ladinischsprachigen Bevölkerung geführt.
Das durch den „Anschluss“ nochmals gestiegene „Führer“-Prestige verhinderte bei Hu-
ter indes eine grundsätzliche Distanzierung vom Regime des Nationalsozialismus und
führte zu einer Akzeptanz des „Südtirol-Verzichts“, der gewissermaßen als Opfer zu tragen
war, in seiner Ernsthaftigkeit und Endgültigkeit zunächst gleichwohl unterschätzt wurde.
Wenn der gebürtige Südtiroler Franz Huter schließlich seit April 1940 im Zuge der Um-
siedlungsmaßnahmen als Mitarbeiter einer Sonderkommission des Ahnenerbes der SS ge-
wissermaßen an der Abwicklung des Südtiroler Kulturerbes beteiligt war (und hierfür von
dem zwischen August 1939 und Juni 1940 in der Etappe – bei Flak-Einheiten zunächst
in der slowakischen Zips, dann in Passau – geleisteten Kriegsdienst freigestellt wurde),
so mochte er in dieser Aufgabe nicht nur Karriereperspektiven durch exklusiven Zugang
zu umfangreichen Quellenmaterialien, sondern zunächst und insbesondere Züge einer
tragischen nationalen und auch individuellen Erniedrigung durch das perhorreszierte Ita-
lien erblicken. Seine Mitarbeit in der Kulturkommission, die von der Forschungs- und
Lehrgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V. der SS19 eingesetzt und als Dienststelle der
17 BAB, NS 21/93 : Huter an den Leiter des SS-Ahnenerbes, Wolfram Sievers, Innsbruck, 30.12.1943.
18 Siehe StLA, Zeitgeschichtliche Sammlung, K. 213 : Friedrich Wilhelm Antonius : [Notiz – Beurteilung von
Huter] undatiert [ca. 1938] ; Oberkofler, Huter (wie Anm. 1) 56.
19 Siehe hierzu Michael Wedekind, Kulturkommission des SS-Ahnenerbes in Südtirol, in : Handbuch der
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Österreichische Historiker
- Untertitel
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Band
- 2
- Autor
- Karel Hruza
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 678
- Schlagwörter
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Kategorie
- Biographien