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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 598 -
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Seite - 598 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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598 Michael Wedekind Etwa zwei Jahrzehnte nach der Annexion durch Italien und fünfzig Jahre nach Emil von Ottenthals und Oswald Redlichs „Archiv-Berichten aus Tirol“25 bemühte sich die von Huter geleitete Arbeitsgruppe der Bozner Kulturkommission durch Anfertigung eines um- spannenden Katasters um eine aktuelle Bestandserfassung der Südtiroler Archive26. Hier- mit sollte vor allem den deutschen Archivgutforderungen gegenüber Italien eine präzise Grundlage verschafft werden. In der Tat hatte Archivdirektor Bittner seinerzeit auf eine Erweiterung der in den deutsch-italienischen Verhandlungen festgelegten Grundlagen für die Überlassung Südtiroler Archivbestände gedrängt und empfohlen, Huter zu den beab- sichtigten Nachverhandlungen mit der italienischen Regierung hinzuzuziehen. Obschon die Hauptvertreter der deutschen Umsiedlungsbürokratie vorerst keinen Verhandlungs- spielraum bei den italienischen Dienststellen sahen, beabsichtigte Huter angesichts der Einmaligkeit des Umsiedlungsvorganges, die Archivalienauslieferung nun auf gänzlich an- dere, stark ideologisierte Grundlagen zu stellen : Seiner Ansicht nach war weder das Prove- nienz- noch das Pertinenzprinzip, sondern ein totaler völkischer Kulturgutanspruch auf ganz Südtirol geltend zu machen und damit die Überlassung des gesamten deutschen Volksgutes zu fordern27. Indes fuhren sich die am 31. Juli 1940 aufgenommenen Verhandlungen mit der italienischen Seite binnen Kurzem in Auslegungsfragen fest und blieben auch bis zum Ende der Umsiedlungsaktion im Kern ergebnislos. Huters Arbeitsgruppe ging infolgedessen im Wesentlichen zu einer groß angelegten Reproduktion Südtiroler Archivalien über. Abgesehen von einer Vielzahl von Regesten 25 Emil von Ottenthal, Oswald Redlich, Archiv-Berichte aus Tirol 1–4 (Mittheilungen der dritten [Ar- chiv-]Section der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, Wien/Leipzig 1888–1912). 26 In einer Denkschrift Norbert Mumelters, Leiter des Kulturdienstes der Südtiroler Arbeitsgemeinschaft der Optanten, war von Erhebungsarbeiten im Staatsarchiv Bozen, im Bischöflichen Archiv Brixen sowie in 111 Stadt- und Gemeindearchiven, 263 Kirchen- und Klosterarchiven sowie 28 Privatarchiven ausgegangen wor- den ; siehe Karl Stuhlpfarrer, Umsiedlung Südtirol 1939–1940 1 (Wien/München 1985) 400. 27 Siehe BAB, DS (ehem. BDC) : Huter, 14.08.1899 : [Franz Huter :] Grundsätzliche Bemerkungen zur Frage der Sicherung des Archivguts aus Südtirol, undatiert [etwa Mitte 1940] : Für die Herkunft [der Schriftdenkmäler] ist der heutige Aufbewahrungsort ganz gleichgültig […]. Darüber hinaus gehören unsere Archivschätze dem gan- zen deutschen Volke. Denn die Nation hat ein eminentes Interesse daran, dass ihre Kulturleistung in diesem Lande festgehalten und dargestellt wird. […] Unser Anspruch auf diese Archivalien ist […] ideell so fest begründet, dass grundsätzlich von ihm keine Abstriche gemacht werden dürfen. – Zu zwischenstaatlichen archivalischen Restitu- ierungsansprüchen und deren Behandlung siehe allgemein Thomas Fitschen, Das rechtliche Schicksal von staatlichen Akten und Archiven bei einem Wechsel der Herrschaft über Staatsgebiet (Baden-Baden 2004) ; zum Archivwesen während der Zeit des Nationalsozialismus, zu Archivverwaltung und Archiveinsätzen in deutschen Besatzungsgebieten während des Zweiten Weltkrieges Karl Heinz Roth, Klios rabiate Hilfstruppen. Archivare und Archivpolitik im deutschen Faschismus, in : Archivmitteilungen 41 (1991) 1–10 ; Torsten Musial, Staats- archive im Dritten Reich. Zur Geschichte des staatlichen Archivwesens in Deutschland 1933–1945 (Potsdam 1996) ; Das deutsche Archivwesen und der Nationalsozialismus, hg. v. Robert Kretzschmar (Essen 2007).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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