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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Franz Huter (1899–1997) 599 und etwa 15.000 Quellenexzerpten fertigte sie über 50.000 Leica-Aufnahmen und über 588.000 Aufnahmen mit den Reproduktionsapparaten des Reichssippenamtes an28. Begleitet von Verfahrensdisputen, Behinderungsstrategien der italienischen und Eigenmächtigkei- ten der deutschen Seite, persönlichen Zerwürfnissen und Anschuldigungen versuchte die Kulturkommission zugleich – teilweise in Zusammenspiel mit Vertrauensleuten der na- tionalsozialistischen Südtiroler Arbeitsgemeinschaft der Optanten (AdO) –, sich durch Erschleichung, Diebstahl und Pressionen auf private Eigentümer, durch konspirativen Ankauf sowie durch Unterschlagung umfangreicher nicht-privater Bestände in den Besitz von Archivalien zu bringen. Orientiert an dem Grundsatz, dass alle bedeutenden und für die Wissenschaft wichtigen Archivalien, genealogischen Sammlungen und sonstigen wichti- gen Urkunden […] in deutschen Besitz gelangen29 müssen, hat Huter an dieser „höheren Form des Plünderns“30 unmittelbar mitgewirkt. Allein bis August 1941 fertigten er und der Reichsgeschäftsführer des Ahnenerbes, Wolfram Sievers, 43 umfangreiche Archiva- liensendungen an das Innsbrucker Reichsgauarchiv ab31. Weitere Sendungen Südtiroler Archivgüter gingen direkt an das Ahnenerbe nach Berlin. Jenseits jedoch von Archivzensus, Überführung oder Reproduktion archivalischer Be- stände verfolgten Huter und das Ahnenerbe klandestin-konspirativ eine politisch-revan- chistisch orientierte Forschungsstrategie. Trotz verschiedener Verbote des NS-Regimes, das Thema „Südtirol“ publizistisch aufzugreifen, und ungeachtet des 1939 eingeleiteten eth- nischen Umbaues der Provinz wurde hier an dem Axiom einer wissenschaftlichen Wider- 28 BAB, R 153/1556 : Huter : Bericht des Leiters der AFG, Bozen/Innsbruck, 25.03.1944. 29 BAB, NS 21/84 : Reichsführer-SS/Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (gez. SS-Ober- sturmführer Dr. Walter) an Sievers, Berlin, 20.03.1941. 30 Karl Heinz Roth, Eine höhere Form des Plünderns. Der Abschlußbericht der „Gruppe Archivwesen“ der deutschen Militärverwaltung in Frankreich 1940–1944, in : 1999. Zs. für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 4,2 (1989) 79–112. – Bereits in seinem ersten Südtiroler Arbeitsbericht notierte Huter : Der Sachbearbeiter hat daher bei den Archivbesichtigungen auf dieses [Privat-]Archivgut, das für die landesgeschichtliche Forschung besonders wichtig ist, sein Augenmerk gerichtet und eine Reihe einschlägiger Stücke sichergestellt. Wo die Archivberichte solche Stücke ausweisen, kann bei einem allfälligen Anspruch der Gegenseite darauf hingewiesen werden, dass während des Weltkrieges manche Privatarchivbesitzer das wertvolle Material nach Österreich gebracht haben. Außerdem kann insbes[ondere] bei Sammlungen auf den Besitzwechsel und die im Zusammenhang damit zu gewärtigenden Abgänge verwiesen werden. BAB (wie Anm. 27) : Arbeitsbericht des Sachbearbeiters für Ar- chivwesen für die Monate Juli und August 1940, Bozen, September 1940. 31 BAB, NS 21/84 : Archivdirektor Otto Stolz an Huter, Innsbruck, 18.08.1941. Dieser Vorgang und etwaige Restitutionsforderungen wurden bis in die jüngste Zeit öffentlich nicht thematisiert. Huters Raub von Süd- tiroler Archivalien und deren Übernahme durch das damalige Reichsgauarchiv Innsbruck finden auch keine Erwähnung bei Wilfried Beimrohr, Das Reichsgauarchiv Innsbruck, in : Österreichs Archive unter dem Hakenkreuz (MÖSTA 54, 2010) 457–472. Siehe hingegen : Angela Mura, Franz Huter und die Tätigkeit der „Arbeitsgruppe Archive“ der Kulturkommission Südtirol des „SS-Ahnenerbes“, in : Kunsthistoriker im Krieg, hg. v. Christian Fuhrmeister et al. (Wien/Köln/Weimar 2012) 173–186.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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