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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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600 Michael Wedekind legung des italienischen Herrschaftsanspruches und eines Nachweises der historisch-kul- turellen Einheit von Nord- und Südtirol festgehalten. Dabei war die Kulturkommission bestimmt, der deutschen Volkstumswissenschaft entsprechendes Datenmaterial und somit die historiografische Deutungshoheit, dem Ahnenerbe selber schließlich in dieser Weise eine zentrale Stellung in der scientific community des Dritten Reiches zu sichern. Hatte nämlich schon die Annexion Südtirols durch Italien den raumbezogenen Forschungen nach 1919 einen spezifischen Auftrieb verliehen, so war von der Inventarisierung und Dokumentation Südtiroler Kulturgüter durch das Ahnenerbe – einem in seiner Art einmaligen volkstumswis- senschaftlichen Großprojekt – langfristig ein noch wesentlich stärkerer Impuls zu erwarten. Huters archivalische Erhebungstätigkeit war weithin von deterministischen Erkennt- nisinteressen und weltanschaulich bestimmten, selektiven Kriterien geleitet ; sie spiegelte damit die methodische Grundproblematik der gesamten Ahnenerbe-Enquête wider : Hu- ter ging es vor allem um bevölkerungsgeschichtlich auswertbare Quellengattungen. Für einen frühen Zeitraum, ab etwa 1400, lagen diese vor allem in Form von Urbaren, Kirch- propstrechnungen, Lehen- und Ehrungsbüchern Südtiroler Stifte und Klöster vor. Für jüngere Epochen richtete sich das Interesse neben den sogenannten Verfachbüchern ins- besondere auf Kirchenbücher, die als Grundlage für umfangreiche genealogische und me- dizinisch-genetische Untersuchungen bis etwa 1600 dienen sollten32. Mit den städtischen Ratsprotokollen, Stadtrechnungen, Kopial-, Bürger- und Einwohnerbüchern kam eine weitere bevölkerungs-, speziell genealogiegeschichtlich relevante Quellengruppe hinzu, die im Falle Bozens bereits seit den 1920er-Jahren als „Hauptbeweisstück“ sowohl für den ethnisch deutschen Charakter der Stadt als auch für die Herausbildung eines präsumtiven deutschen Volksbewusstseins herangezogen worden war33. 32 Die bis 1945 fortlaufenden Südtiroler Kirchenbuchaufnahmen wurden zunächst einer eigenen Arbeitsgruppe der Kulturkommission unter dem aus Bozen stammenden Franz Sylvester Weber, Leiter des Tiroler Gausippenamtes, übertragen, später indes der Aufsicht Huters unterstellt. 33 Franz Huter, Beiträge zur Bevölkerungsgeschichte Bozens im 16. bis 18. Jahrhundert (BzJb 1948, Bozen 1948) 1. Das Werk lag zumindest in seinem ersten Teil („Die Herkunft der Bevölkerung Bozens in den neueren Jahrhunderten“) bereits 1944 druckfertig vor ; dazu gehörte auch die von dem vormaligen Wiener Univer- sitätsassistenten für Geografie Ernst Sturmmair gezeichnete Karte der Herkunftsgebiete zugezogener Bürger. – Siehe ferner Bozner Bürgerbuch 1551–1806 I : Die Bürger- und Inwohneraufnahmen der Handschrift des Bürgerbuches, hg. v. Rudolf Marsoner (BzJb 1929/30, Bozen 1930) ; Bozner Bürgerbuch 1551–1806 II : Ergänzungen der Bürger- und Inwohneraufnahmen aus den Ratschlag-, Rait- und Kopialbüchern der Jahre 1489–1810, bearb. v. Karl Theodor Hoeniger, Josef Blaas (BzJb 1931/34, Bozen 1933). – Ein Neudruck des „Bozner Urkundenbuches“, versehen mit einem Nachwort Huters, war auf Vorschlag des vormaligen Boz- ner Museumsdirektors Karl Maria Mayr bereits 1941 durch den NS-Gauverlag Tirol-Vorarlberg in Aussicht genommen ; siehe u.a. Stadtarchiv Bozen, Bestand „Arbeitsgemeinschaft der Optanten“ (= SAB, AdO) : Mayr an Sievers, Bozen, 09.10.1942. Ein Neudruck des Werkes erfolgte indes erst 1956 durch den Landesverband für Heimatpflege in Südtirol (Schlern-Schriften 153 und 154). – Siehe ferner M. Völser [i.e. Franz Huter], Zeug- nisse deutschen Volksbewusstseins aus dem Bozen des 16. Jahrhunderts, in : Tiroler Heimat. Jb. für Geschichte
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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