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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Franz Huter (1899–1997) 601 Aufarbeitung und Verwertung dieses als volkstumspolitisch besonders relevant gel- tenden Materials34 erfolgten teilweise noch während der letzten Kriegsjahre, blieben bei grundsätzlich unveränderten Forschungsstrategien und interpretativen Mustern im We- sentlichen aber der Nachkriegszeit vorbehalten. Huter knüpfte an kanonisierte Paradig- men und Thesen der Volkstumswissenschaften an35, die bereits hauptsächlich von Wopf- ner und Otto Stolz für die Tiroler Historiografie adaptiert worden waren36. Im Sinne einer Affirmation der Zugehörigkeit Südtirols zum „deutschen Volks- und Kulturboden“ soll- ten weiterhin speziell bevölkerungs-, siedlungs- und namengeschichtliche (in Sonderheit mikrotoponomastische) Studien den Nachweis von Ursprünglichkeit und Kontinuität biologischer Grundlagen erbringen, deutsche „Siedlungsleistungen“ sowie Alter und Fort- bestand „deutschen Bodenbesitzes“ dokumentieren. „Die Leistung des deutschen Volkes im Alpenraum, sein Anteil an der Urbarmachung früher romanischen und im Osten auch slawischen Volksbodens ist so gewaltig“, so hatte Huter 1939 programmatisch formuliert, „dass die deutsche Forschung an der Erkenntnis dieser Leistung bis ins einzelne das größte Interesse haben muss. Sie tritt an Weite des gewonnenen Gebietes gegenüber den Leis- tungen im deutschen Nordosten gewiss zurück, dafür ist mit besonderem Nachdruck auf ihren inneren Gehalt hinzuweisen.“37 Wie auch später bei der 1941 erfolgten Gründung des mit Huters Innsbrucker Lehrkanzel verbundenen Instituts für Geschichte und Lan- deskunde des Alpenraumes, wurde hier zwar ein gesamtalpenländischer Analyserahmen angezeigt, doch richtete sich das Hauptinteresse stets nahezu exklusiv auf die revisions- politisch verpflichtete Beschäftigung mit dem Tiroler (und speziell Südtiroler) Raum38. und Volkskunde 3 (1930) 81–88. – Der Heimatkundler Karl Theodor Hoeniger arbeitete mit Unterbrechun- gen bereits seit Anfang der 1920er-Jahre an dem erst 1951 veröffentlichten „Häuserverzeichnis der Bozner Altstadt von 1497“ (Schlern-Schriften 92), das ebenfalls den „deutschen Charakter“ Bozens nachweisen sollte. 34 Siehe BAB, NS 21/93 : Sievers an Gauleiter Hofer u.a., undatiert [etwa Mai 1943]. 35 Hierzu grundsätzlich Willi Oberkrome, Volksgeschichte. Methodische Innovation und völkische Ideologi- sierung in der deutschen Geschichtswissenschaft 1918–1945 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 101, Göttingen 1993) ; ders., Aspekte der deutschsprachigen „Volksgeschichte“, in : Zwischen Konfrontation und Kompromiss : Oldenburger Symposium „Interethnische Beziehungen in Ostmitteleuropa als historiogra- phisches Problem der 1930er/1940er-Jahre“, hg. v. Michael Garleff (München 1995) 37–46. 36 Siehe dazu u.a. Cole, Eigentümlichkeiten (wie Anm. 8) 198–204 ; Michael Wedekind, „Völkische Grenzland- wissenschaft“ in Tirol : Vom wissenschaftlichen Abwehrkampf zur Flankierung der NS-Expansionspolitik, in : Geschichte und Region/Storia e regione 5 (1996) 227–265. Zu Wopfner in diesem Zusammenhang auch Rein- hard Johler, Il concetto scientifico di „deutsche Arbeit“ e l’ergologia nell’area alpina, in : Annali di San Michele 8 (1995) 265–286, besonders 278–280. Zu Stolz siehe Gerhard Siegl, Otto Stolz (1881–1957). Trotz Fleiß kein Preis ? Der geknickte Marschallstab, in : Österreichische Historiker 1900–1945 (wie Anm. 7) 419–460. 37 Franz Huter, Die Besiedlung des „Landes im Gebirge“. Ein Beispiel alpiner Siedlungsgeschichte, in : Zs. des Deutschen Alpenvereins (Jb.) 70 (1939) 194–198, hier 198. 38 Siehe hierzu allgemein Franz Mathis, Die Erforschung des Alpenraumes in der österreichischen Historiogra- phie, in : Histoire des Alpes – Storia delle Alpi – Geschichte der Alpen 1 (1996) 61–67, hier 64f.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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