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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Franz Huter (1899–1997) 605 Huter hatte seine archivalischen Inventarisierungen und Kopierarbeiten im Dienste des Ahnenerbes über den Sturz des faschistischen Regimes in Italien im Juli 1943 schließ- lich bis zur deutschen Besetzung des Landes im September in die Länge zu ziehen ver- mocht49. Auch war man im Ahnenerbe der Ansicht, dass sein Abzug aus Südtirol einem Verzicht auf unsere Rechte gleichkäme50. Seit Herbst 1943 führte Huter dann das auf dem Bozner Schloss Maretsch untergebrachte Referat Archivwesen innerhalb der NS-Zivil- verwaltungsbehörde ; zugleich wurde ihm die Leitung der Staatsarchive in Bozen und Trient übertragen. Huter hat in dieser Funktion anerkennenswerte Anstrengungen unter- nommen, um durch umfangreiche Auslagerungen die wichtigsten staatlichen und kirch- lichen Archive der Provinzen Bozen und Trient vor Kriegseinwirkungen zu schützen51. Zugleich war er jedoch an der Durchsuchung und Verschleppung des Privatarchivs von Ettore Tolomei, einem der Vordenker der Italianisierung Südtirols, und von dessen Mu- seo della Rivendicazione dell’Alto Adige in Glen bereits wenige Tage nach der deutschen Besetzung des Landes beteiligt52. Auch hatte sich das Ahnenerbe schon seit Beginn der radikal gemeistert wurde, ist es auf politischem Gebiete nur zu einer Zwischenlösung in der Schaffung der Operati- onszone Adriatisches Küstenland und Alpenvorland gekommen. Es handelt sich um einen deutschen Oberbau auf dem Unterbau der italienischen Verwaltung. Wenn auch Südtirol (Provinz Bozen) enger angeschlossen wurde als die übrigen Provinzen, so bedeutet dies höchstens ein Versprechen für die Zukunft ; die politische Entscheidung ist noch nicht gefallen[,] und die Absichten der Reichsführung lassen sich nur vermuten. BAB, R 153/1556 : Bericht des Leiters der AFG, Bozen/Innsbruck, 25.03.1944. 49 BAB (wie Anm. 27) : Huter an Sievers, Bozen, 05.08.1943 : Lieber Standartenführer ! Seit meinen letzten Zeilen an Sie hat sich hier Manches ereignet. Nach einigen politisch schwülen Tagen, zu denen die gegenwärtige Bruthitze gut passte, ist eine gewisse Beruhigung eingetreten. Die Anwesenheit unserer prachtvollen Truppen (gestern ist die Division Leibstandarte [SS-Panzer-Grenadier-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler] durchgekommen) hat viel dazu beigetragen. Die Aufnahmearbeiten können also weiter gehen. […] Da die Gegenseite in Voraussicht kommen- der Ereignisse möglicherweise aus Archiven und Museen Materialien zu verschleppen suchen könnte, bin ich mit der ADO wegen Überwachung gewisser Objekte in Verbindung getreten. Leider ist eine Überwachung ebensolcher Objekte im Trentino zur Zeit noch kaum möglich. 50 BAB, NS 21/68 : Sievers an Stabshauptamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums, betr.: Tätigkeit der Kulturkommission, Berlin, 30.04.1943. 51 Dieses Verdienst ist bereits verschiedentlich gewürdigt worden. Huter selber hat hierüber nach dem Kriege einen öffentlichen Rechenschaftsbericht vorgelegt ; siehe Franz Huter, Die Flüchtung der Archive Südtirols im Zweiten Weltkrieg. Ein Arbeitsbericht, in : Archivalische Zs. 50/51 (1955) 227–233 ; siehe hierzu auch Pfeifer, Santifaller und Huter (wie Anm. 2) 361–364. 52 Siehe hierzu Gisela Framke, Im Kampf um Südtirol. Ettore Tolomei (1865–1952) und das „Archivio per l’Alto Adige“ (Tübingen 1987) 245 ; Michael Wedekind, Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexions- politik in Norditalien 1943 bis 1945 : Die Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“ (München 2003) 260 ; Günther Pallaver, Auf den Spuren des Tolomei-Archivs, in : Das Fenster 63 (1997) 6030–6035 ; siehe ferner BAB (wie Anm. 27) : Huter an Sievers, Bozen, 12.09.1943 : Lieber Standartenführer ! Die Ereignisse haben sich derart überstürzt, dass ich erst heute dazu komme, Ihnen zu schreiben. Am Abend des 8. September aus dem Pustertal zurückgekehrt, wo ich das Bleiberarchiv auf Schloss Ehrenburg nach Möglichkeit ausgebeutet hatte, kam ich gerade zum Umschmiss zurecht. Peter Hofer bat mich, dass ich mich für die Archiv- und
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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