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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 607 -
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Franz Huter (1899–1997) 607 Wenn Huter hierauf bereitwillig reagierte, dann war dies keineswegs ein unumgängliches Arrangement mit den Machthabern, sondern seinem aktivistischen Wissenschaftsver- ständnis geschuldet54. Dieses spiegelte sich auch auf dem Südtiroler Schauplatz wider, wo Huter im Som- mer 1944 die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft für Landes- und Volksforschung Südtirol übernahm. Deren Errichtung war Ende April des Jahres zwischen Gauleiter Franz Hofer und Ahnenerbe-Leiter Sievers beschlossen worden. Sie ging im Wesentlichen aus der in Abwicklung befindlichen Bozner Dienststelle des Ahnenerbes hervor, dessen Ein- fluss infolge des volkstumswissenschaftlichen Primatstrebens des Reichssicherheitshaupt- amtes inzwischen auch in Südtirol stark geschmälert war. Über Steinacker als stellvertre- tendem Geschäftsführer war die Arbeitsgemeinschaft funktional und personell an dessen volkstumspolitischen Ämter- und Aufgabenkomplex in Innsbruck und Bozen gekoppelt und der Behörde des Obersten Kommissars für die Operationszone Alpenvorland unter- stellt. Wie im Falle vergleichbarer volkstumswissenschaftlicher Einrichtungen hatte die Arbeitsgemeinschaft den langfristig geplanten sozioethnischen Umbau des Besatzungs- raumes und dessen Eingliederung, Assimilierung und politische Führung durch Bereit- stellung von bevölkerungspolitischem Herrschaftswissen zu flankieren und legitimieren. Neben der „Rückdeutschung“ Südtirols gruppierten sich entsprechende Neuordnungs- szenarien zum einen um die Entnationalisierung des Trentino (unter möglichem Ausgriff auf die deutschen Sprachinselrelikte in Venetien), zum anderen um die Assimilierung des la- dinischsprachigen Dolomitenraumes, den Huter unter Rekurs auf die expansionspolitisch orientierte Volks- und Kulturbodenthese als Teil der „deutschen Kulturgemeinschaft“55 auswies. Abgesehen von der Fundierung deutscher Herrschaftsansprüche auf Südtirol und dem Entwurf eines ladinischen Raum- und Identitätskonstruktes war es vordring- liche Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft für Landes- und Volksforschung, die behauptete „germanisch-deutsche“ Durchprägung des Trentino nachzuweisen. Dabei schloss man an eine bereits auf die 1860er-Jahre zurückgehende Diskursstrategie an, die über den Ausweis einer ehemals intensiven Verbreitung von deutscher Sprache und Kultur im östlichen 54 Sievers vermerkte im Übrigen unter dem 25.08.1944 in seinem Tagebuch, Huter habe nach Ablauf seiner Freistellung vom Wehrdienst um Einsatz für bezw. im Rahmen der SS gebeten ; siehe BAB, NS 21/11 : Tage- buch Wolfram Sievers’ (07.03.–28.09.1944) 231. Eine Übernahme Huters in die Waffen-SS war bereits zuvor durch das SS-Führungshauptamt geprüft und für sehr wahrscheinlich gehalten worden ; siehe BAB, NS 21/93 : Fernschreiben des Amtes Ahnenerbe an Gauleitung Tirol-Vorarlberg, 18.06.1942 (?). 55 Franz Huter, Stellungnahme zur geschichtlichen Beweisführung der „Documenti“ im Einzelnen, in : „Alto Adige“ : Eine offiziöse italienische Tendenzschrift über Südtirol. Kritische Bemerkungen zum italienischen Faksimilewerk „Alto Adige. Alcuni documenti del passato, 3 Bände, Bergamo 1942“ (Innsbruck 1943) (Nur für den Dienstgebrauch) 23–28, hier 25. – Huter funktionalisierte diese These auch im Zusammenhang mit der Auslieferung Südtiroler Archivalien durch Italien ; siehe BAB (wie Anm. 27) : [Franz Huter :] Grundsätzli- che Bemerkungen zur Frage der Sicherung des Archivguts aus Südtirol, undatiert [etwa Mitte 1940].
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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