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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 613 -
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Franz Huter (1899–1997) 613 schung in Form von Quellenedition und -kommentierung. Anders als Santifaller jedoch, der einer Politisierung der Geschichtsschreibung fernstand, hat Huter diese aktiv mitge- tragen. Zur Südtirol-Frage trat er seit 1945 mit zahlreichen populärwissenschaftlichen Schriften (auch in rechtsständigen Organen wie „Die Aula“) an die Öffentlichkeit. Zu- dem blieb er mit den vormaligen völkischen Aktivisten Südtirols ebenso vernetzt wie mit Exponenten und Institutionen des fortwirkenden volkstumswissenschaftlichen Milieus in Deutschland und Österreich – so beispielsweise mit dem einflussreichen Soziologen und Volkstumstheoretiker Max Hildebert Boehm, nunmehr Vorsitzender des bundesdeut- schen Notverbandes amtsverdrängter Hochschullehrer sowie der revisionsorientierten Ostdeutschen Akademie im niedersächsischen Lüneburg.74 Huter blieb nach dem Zweiten Weltkrieg bewusstseinsprägender Exponent einer in sich geschlossenen Elite, welche sich die Deutungsmacht über ihre bisherigen Ziele und ihr Tun bewahren konnte75. Sie scheute sich nicht, im Moment der tiefen moralischen Niederlage und Widerlegung des Nationalsozialismus erneut öffentlich Zeugnis von be- schämender Unduldsamkeit, von kultureller und moralischer Überlegenheit gegenüber dem ethnisch Fremden abzulegen76. Der Tiroler Historiografie sicherte Huter metho- disch-inhaltliche und wissenschaftsorganisatorisch-gruppensoziologische Kontinuitä- ten77. Indem er weithin an tradierten Themata und Methoden, belasteten Terminologien 74 Siehe Südtiroler Landesarchiv, NL Norbert Mumelter, Position 216 : Huter an Mumelter, betr. Publikation zur „Deutschen Volkstumsbewegung 1918–1933“ durch das Volkstumsarchiv Lüneburg, Innsbruck, 22.06. und 10.07.1959. 75 Zur österreichischen Historiografie zwischen 1938 und den 1950er-Jahren siehe allgemein Günter Fellner, Die österreichische Geschichtswissenschaft vom „Anschluss“ zum Wiederaufbau, in : Kontinuität und Bruch : 1938 – 1945 – 1955. Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, hg. v. Friedrich Stadler (Münster 2004) 135–155. 76 So 1946 Huter, Geburtstagsansprache (wie Anm. 46) 11 : „Und in dieser Großtat [deutscher Siedlungsar- beit] allein fast liegt unser unzerstörbares und unverjährbares Recht auf dieses Paradies [Südtirol] begründet. […] Denn hier steht die zeitlose Maschine [italienischer Industrialisierungsmaßnahmen] wider den Pflug, den der Schweiß der Geschlechter geweiht hat, hier steht der Erobererwille des fremden Tyrannen gegen Heimatliebe und Heimattreue, und hier steht der entwurzelte, von der Staatsgewalt herangetriebene Mas- senmensch gegen das bodenständige Volk mit seinen geschichtlichen Überlieferungen und seiner turmhoch überlegenen Kultur. Die kommenden Entscheidungen werden zeigen, ob […] die alte Welt der kulturell- volkhaften Werte, die gerade in den Tiroler Bergen noch eine Heimstätte hat, überhaupt weiterleben darf.“ 77 Verwiesen sei hier etwa auf das 1954 gegründete und von 1959 bis 1969 von Franz Huter geleitete Innsbru- cker Institut für geschichtliche Landeskunde, das die Nachfolge von Huters 1941 errichtetem Institut für Geschichte und Landeskunde des Alpenraumes antrat. – Zur Kontinuität in den geisteswissenschaftlichen Dis- ziplinen an der Universität Innsbruck siehe Peter Goller, „Natürlich immer auf wissenschaftlicher Ebene !“ – Mystifikationen : Die geisteswissenschaftlichen Fächer an der Universität Innsbruck im Übergang von Na- zifaschismus zu demokratischer Republik nach 1945. Dokumentation einer Kontinuität (Innsbruck 1999) ; ders., Gerhard Oberkofler, Universität Innsbruck : Entnazifizierung und Rehabilitation von Nazikadern 1945–1950 (Innsbruck 2003).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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