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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Seite - 616 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

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616 Helmut Maurer unter anderem folgende Tätigkeiten Heiligs : „1932–38 Mitarbeiter Edition mittelalterli- cher Bibliothekskataloge Österreichische Akademie der Wissenschaften, 1938–40 Archi- var Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv Freiburg i. Br.“. Die Beendigung seiner Arbeit im Dienste der Wiener Akademie im Jahr 1938 einerseits und sein Überwechseln in die badi- sche Heimat in demselben Jahr andererseits sind angesichts dieses für Österreichs Schick- sal entscheidenden Jahres zumindest des Bemerkens wert. Macht man sich im einzigen, von Alphons Lhotsky verfassten Nachruf kundig4, dann ist dort zu dieser Übersiedlung lediglich zu lesen : „Im Frühjahr 1938 verließ H. Wien, um eine Archivarstelle beim Erz- bischof von Freiburg i. Br. anzunehmen.“ Weshalb Heilig Wien gerade im Frühjahr 1938, also offenbar im zeitlichen Umkreis des „Anschlusses“, der bisherigen österreichischen Hauptstadt, in der er seit 1929 gelebt hatte, den Rücken kehrte, wird von Lhotsky nicht thematisiert. Indessen findet sich einige Zeilen zuvor ein Hinweis auf Heiligs „eigenar- tige, aber wertvolle Schrift über das Kruckenkreuz (‚Österreichs neues Symbol‘, 1934)“. Für den, der weiß, dass der am 1. Mai 1934 offiziell proklamierte autoritäre Ständestaat das als Symbol der 1933 gegründeten „Vaterländischen Front“ entworfene Kruckenkreuz auch zu seinem Symbol erhoben hat5, der ahnt, dass der Verfasser einer diesem „Zei- chen“ gewidmeten Schrift sich jenem Österreich verbunden gefühlt hat, das als eigenes Staatsgebilde auszulöschen bzw. an Deutschland anzuschließen erklärtes Ziel der dort seit 1933 die Macht in Händen haltenden Nationalsozialisten gewesen ist. Notwendiger- weise konnte für einen dezidierten Anhänger von Österreichs Eigenstaatlichkeit, zumal wenn er deutscher Staatsbürger war, seit dem Frühjahr 1938 kein Verbleiben mehr sein. Dass Heilig aber in ebendieses nationalsozialistische Deutschland zurückkehrte, verwun- dert denn doch. Schlägt man den Bogen von Heiligs Lebensweg weiter bis hin zum Jahr 1944, in dem sein von Heinrich Appelt zu Recht als eindrucksvolle Leistung bezeichnetes Werk über „Ostrom und das Deutsche Reich“ erscheinen konnte, dann lässt ein Blick in eben dieses Werk erneut erstaunen. Dies weniger deswegen, weil es in einen Band der „Schriften des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde“ (wie die in Berlin angesiedelten Monumenta Germaniae Historica seit 1935 hießen) Aufnahme fand6 ; be- merkenswerter ist vielmehr die Tatsache, dass der Herausgeber des Sammelbandes, der seit 4 Lhotsky, Heilig (wie Anm. 2). 5 Vgl. Ernst Hanisch, Politische Symbole und Gedächtnisorte, in : Handbuch des politischen Systems Ös- terreichs : Erste Republik 1918–1933, hg. v. dems., Emmerich Tálos, Hans Dachs, Anton Staudinger (Wien 1995) 421–430, hier 427 [Kruckenkreuz gegen Hakenkreuz]. 6 Konrad Josef Heilig, Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in : ders., Theodor Mayer, Carl Erdmann, Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters (Schriften des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichts- kunde [Monumenta Germaniae Historica] 9, Stuttgart 1944) 1–271.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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